Dienstag, 29. November 2005

Zum Glück.

Glück ist wohl einer jener Begriffe, die an Dehnbarkeit und Interpretierbarkeit kaum zu überbieten sind. Einigkeit herrscht wohl dennoch in den meisten Dingen darüber, was es ist und was nicht. Und trotzdem sehen wir über die meisten der offensichtlichen "Glücks"-Dinge hinweg und wissen oft gar nicht zu schätzen, was Glück an sich bedeutet. Hier ein Aspekt von wohl tausenden.

Glücklich machen kann etwa mitunter schon so etwas harmloses wie das Lächeln einer wildfremden Person auf der anderen Straßenseite. Ich vertrete die Theorie, dass das Lächeln (soferne es ein "ehrliches" ist und nicht das medial eintätowierte Landeshauptmann-Lächeln) und die Emotion, die es verursacht einhergeht mit dem Aussenden von Hormonen oder etwas ähnlich gelagertem, körperlichem. Vielleicht ja tatsächlich "Glückshormone".

Die sind zum Beispiel in Schokolade, weiß die Wissenschaft. Und Schokolade ist eine schöne Versinnbildlichung von Glück. Ich kenne jemanden, der noch genug Kind ist, um auch im erwachsenen Alter noch einen Ausdruck des Glücks im Gesicht zu tragen imstande ist, wenn der leidenschaftliche erste Biss in die Tafel erfolgt. Beneidenswert, und im Übrigen etwas mit Nebenwirkungen - dem oben beschriebenen Aussenden des Glücks.

Das Glück ist somit (wenngleich oft und möglicherweise unbewusst) etwas, was man teilt. Und das schönste daran ist: Das kann fast unendlich weitergeführt werden und kann genauso immer funktionieren, quasi die positivste Kettenreaktion, und das nicht erst seit Entdeckung der Atomkraft.

Und vermutlich muss man Glück auch teilen. Denn behält man es für sich, dann ist es wie mit der Schokolade: Zuviel davon ist nicht nur ungesund, es ist auch nachgewiesen, dass ein Überschuß an den Inhaltsstoffen - wie Zucker oder auch den Glückshormonen - die gegenteilige Wirkung auslösen. Müdigkeit statt Aufputsch, Frust statt Glück, die Dosis macht das Gift.

Und vermutlich muss man das Glück auch irgendwie verdienen. Mit Momenten und Tagen, die weniger davon in sich tragen. Denn die Erfahrung zeigt: Glücksmomente genießt man immer dann am meisten, wenn sie unverhofft kommen, oder wenn sie imstande sind, ein Tief zu überbrücken. Und man lernt sie dann besonders schätzen und genießen, wenn sie nicht alltäglich und dauerhaft sind. Blöd, hart und etwas ungerecht, aber was wäre "der Glücksmoment" in einer Welt die nur aus solchen besteht? Alltag, einfach da, Normalität - wie furchtbar. Erkenntnis: Dosiert eure Schokoladerationen weise.

Ich habe es gestern seit langer Zeit wieder einmal gewagt und geschafft, ein Konzert zu "genießen". Wenn dabei dann noch dazu "Freunde" auf der Bühne stehen und dir diesen kleinen geistigen "Schnipp" geben, der dir sagt, dass dies einer der großen kleinen Glücksmomente ist, dann ist das die Schokolade, die dich eine Weile nährt. Zu wissen, dass das nicht immer so ist, lehrt einem, das umso mehr zu schätzen.

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