Donnerstag, 11. Dezember 2008

Sai Gon.

Den letzten Tag in Kambodscha haben wir noch kraeftig genutzt, uns ein Floating Village auf dem Tonle Sap, einer dschungeligen Riesenversion des Neusiedler Sees, angesehen. Insgesamt leben auf diesem See 2 Millionen Menschen. Ja, AUF dem See. Mitsamt Hunden und Krokodilfarmen. Dann gabs einen Abstecher in ein Massagestudio... man goennt sich ja sonst nichts... und zuguterletzt einen Besuch in einer Seidenraupenzucht. Die Viecher sind in Kambodscha gelb, aber trotzdem sehr faszinierend. Das soziale Projekt "Artisans Angkor" war den Abstecher wert.

Soweit sogut. Mittwoch abend, wir schreiben bereits Tag 5 unserer Reise, Flug nach Ho-Chi-Minh-City (wie Saigon offiziell seit 1975 heisst). Freie Marktwirtschaft gilt hier im darwinistischen Sinne vor allem im Verkehr: Der staerkere ueberlebt; wer zuerst faehrt, gewinnt. Ampeln, Vorrangregeln... nada. Das ganze Kamboscha-Szenario also, nur zur zirka hundertsten Potenz, diesbezueglich. Ueber die Strasse gehen ist Abenteuer pur, Fussgaenger existieren eigentlich nicht. Dafuer stinken die Millionen Mopeds zum versmogten Himmel. Insofern war die heutige "Cyclo-Tour" risikogeil: Diese Gefaehrte sind nix anderes als Fahrraeder, denen ein "Korb" vorangehaengt ist. Das heisst, man ist dem Fahrradfahrer ausgeliefert, der einen als Schutzpolster voraus hat und mitten durch eine Million Taxis und gefuehlten fuenfzig Millionen Mopeds ueber rote Ampeln und quer ueber Kreuzungen an denen er Nachrang hat, faehrt.

Von wem dieses Land regiert wird, merkt man vordergruendig nicht - beim zweiten Hinschauen an Attraktionspunkten wie den Cu Chi-Tunneln (die die Vietcong gebaut haben, um ein unterirdisches Leben in Sicherheit vor dem "american enemy" zu fuehren) oder Kriegsreliktemuseum (!), beim kultischen Verehren der Fuehrerfigur Ho-Chi-Minh und zwischen vielen Zeilen kommt man sich aber dann halt schon ein bissl gehirngewaschen vor. (Sollte ich jetzt laenger nix schreiben, haben mich die Herren vielleicht schon im Hanoi Hilton eingesperrt, wer weisz... :-).

Morgen auf ins Mekong-Delta, und irgendwann, spaetestens nach dem Urlaub, bleibt vielleicht ein bisschen mehr Zeit, um auf die eigentlich interessante, philosophische Ebene dieser Reise zu kommen. Wir fuehren eifrig Notizen diesbezueglich und haben schon die psychologische Geschichts-Verarbeitung von Nationen nach Kriegen genauso thematisiert wie den suedostasiatischen Louis-Vuitton-Kult und den Wert des Status-Symbols Moped.

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