Freitag, 26. Dezember 2008

Vientiane.

Heuer mischen wir europaeische und anglikanische Weihnachtstradition auf unsere ganz eigene Art und Weise: Waehrend wir am 25. Dezember um 5 Uhr frueh aufbrechen (zu einer Zeit, wo Santa Claus schon die Socken gestopft hat), ist es in Westeuropa noch Heilig Abend. Wie auch immer, bei uns steht der Weiterflug nach Laos auf dem Programm.

Nun bin ich als geschichtlich und geografisch keinesfalls uninteressierter Mensch vor dieser Reise nicht in der Lage gewesen, genau und gesichert die Hauptstadt und Regierungsform dieses Landes zu nennen. Als einziges Binnenland in Suedostasien von China, Vietnam, Kambodscha und Thailand umarmt, gilt Laos als einer der aermsten Plaetze der Welt, aber auch als eine Art riesiges Freilichtmuseum fuer eine ganze Menge Kultur und Landschaft.

Die Hauptstadt, das ist jedenfalls Vientiane. Und als wir hier ankommen erwartet uns ein hochmoderner, sauberer, professioneller Flughafen, an dem sich die Kollegen in Ha Noi auch noch eine Scheibe abschneiden koennten. Und das, obwohl auch dieser Staat unter einer kommunistischen Einparteienlandschaft, aehm, florieren darf. Die Stadt selbst ist wie ein lauthals schreiender Witz in Richtung Vietnam. Sie zaehlt gerade einmal 250.000 Einwohner, strotzt nur so vor Ruhe im Vergleich zu den Metropolen des grossen Nachbarn und wirkt zu keinem Zeitpunkt wie die Hauptstadt eines Landes mit der Flaeche von Grossbritannien. Keine lauten Hupen, kein Gestank, dafuer aber eine herzerfrischende Optik mit dezent, aber geschmackvoll dekorierten Baeumen und stilvoll eingerichteten Cafes am Strassenrand.

Bei aller Armut, die das BIP wohl ausdrueckt, fahren die Menschen hier wenn, dann vornehmlich (fette) Autos statt Mopeds, haben anders als in Vietnam sogar Supermaerkte und keine Restaurants am Gehsteig. Der "Fortschritt" ist hier zweifellos angekommen, er geht aber ruhiger, ausgeglichener und (wie die Lao selbst betonen:) oekologischer vonstatten. Eine wahre Wohltat nach dem Turbo-Tigerstaat Vietnam.

In unserem "Guesthouse" im Stadtzentrum angekommen muessen wir noch ein wenig auf den Bezug unserer Zimmer warten, dafuer treffen wir eine seit Jahren in Ha Noi lebende Amerikanerin. Beim Kaffee erfahren wir viele Dinge ueber Vietnam, die uns oftmals kopfnicken lassen und uns in vieler unserer Einschaetzungen bestaetigen. Wir erfahren auch viel ueber Laos, ueber unser kuenftiges Ziel Luang Prabang und ueber das Wertschaetzen der angesprochenen Ruhe in diesem Land. Eine hoechst wertvolle und informative Begegnung.

Der Streifzug durch die Stadt fuehrt uns zu einigen "Wats" (buddhistische Tempelanlagen), fuer die Vientiane und Laos bekannt sind. Dazwischen besteigen wir auch die laotische Fassung des Pariser Triumphbogens - sehr lohnend. Das Highlight stellt aber das That Luang dar. Ganz in goldene Farbe getaucht, ist es die wichtigste buddhistische Pilgerstaette des Landes. Maechtig und doch dezent, ragt es 45m hoch in Form einer buddhistischen Grabesstaette - der Legende nach ueber dem hier ruhenden Brustbein Buddhas. Eine voellig andere Wirkung als noch tags davor bei Onkel Ho in Ha Noi.

Vor dem That Luang.

Ein bissl Paris, ein bissl Asien: Patu Xay in Vientiane.

Tief beeindruckt folgen wir dem Ratschlag unseres Laos-Fuehrers in ein entlegenes Wat, um uns in die Krauetersauna zu schmeissen und eine Massage zu goennen, wir hatten ja einen langen, harten Tag... Die angekuendigten Nonnen im Kloster finden wir nicht, dafuer aber eine tuechtige Geschaeftsfrau, die das Konzept zum doppelten Preis genauso anbietet. Nachdem wir uns aber nach dem Koriander-Dampfbad eher wie gerauecherter Lachs fuehlen und die Massagen durch kurzfristig abgeworbene TukTuk-Fahrer beim Zuschauen nicht besonders einladend aussehen, fluechten wir bald wieder.

Das Abendessen am Mekong-Flussufer mit Blick auf die gegenueber liegende, bereits thailaendische Stadt, ist grossartig, aber extrem scharf. Klar... wie Sprache und Schrift ist auch die kulinarische Kultur hier schon eher thailaendisch gefaerbt ;-) Am Stephanitag gehts weiter nach Luang Prabang, eine den Berichten zufolge noch verschlafenere Stadt, die aber viel zu bieten hat. Wir freuen uns sehr darauf, wenngleich der Flug mit der alten, kleinen, klapprigen Propeller-Maschine der "Lao Aviation" wohl eher abenteuerlich werden wird... we'll see!

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