Donnerstag, 1. Januar 2009

Indiana T. und der letzte Kreuzzug

Noch zwei Tage stehen uns auf südostasiatischem Boden ins Haus - und die stehen bereits intensiv im Schatten der Heimreise. Wir nehmen den Bus von Luang Prabang nach Vientiane. 8 Stunden soll er für die idyllische Strecke auf der einzig wirklich gut ausgebauten Straße des Landes, der "Road 13" brauchen.

Der Name "VIP Bus" darf nicht über das Faktum hinwegtäuschen, das wir in einem nicht ganz neuen Modell eines chinesischen Busunternehmens sitzen, als wir kurz vor 9 das Transportmittel unserer Wahl besteigen. Immerhin gibts Air Condition, einen Fahrer, eine kleine Gratisration Trinkwasser und eine buseigene Toilette - und wir Glückspilze haben noch dazu die Plätze direkt beim Abgang dorthin erwischt. Die eher grausigen Details dieses Abortes erspare ich euch, der Geruch war lästig genug. Und die Strecke, die war wirklich idyllisch wie ein Donauwalzer zu Neujahr. Vor allem fühlte sich die Fahrt durch nicht gezählte, aber gut geschätzte 7500 Kurven bei tausenden Höhenmetern auf und ab auch ein bisschen wie eine Busfassung davon an.

Der wirklich wunderschönen Urwaldlandschaft, der beeindruckenden Berge und vielen Eindrücke zum Trotz ist mir jedenfalls etwas passiert, was mir noch nie davor passiert war: Reiseübelkeit. Nach zwei Stunden, in denen es mir blendend ging, wars mit der guten Laune vorbei. Und da der Trip anstelle von den angekündigten acht letztlich ELF Stunden gedauert hat, war dieser Tag prächtig lang für mich, während meine werte Reisebegleitung sanft schlafend Erholung fand. Uha.

Angekommen in Vientiane gings quasi direkt ins Bett, der nächste Tag sollte auch noch anstrengend genug werden. Wir kommen pünktlich zwei Stunden vor dem geplanten Ablfug nach Hanoi am Flughafen an und wollen einchecken, als wir mit der Neuigkeit konfrontiert werden, dass wir für den Rückflug noch ein Visum brauchen.

Drei Quellen hatten uns im Vorfeld unabhängig voneinander bestätigt, dass dies nicht der Fall sein wird, weil wir über Hanoi und Ho-Chi-Minh-City als Transitpassagiere direkt nach Frankfurt und von dort nach Wien weiterfliegen sollten. Und diese Quellen waren u.a. die Fluglinie Vietnam Airlines selbst. Nun aber machte man uns mit der uns bereits bekannten laotischen Gemütlichkeit (in diesem Fall eindeutig was negatives) klar, dass das so nicht sei, weil wir innerhalb Vietnams von "International" auf "Domestic" wechseln müssen. De facto hieß das am Flughafen Hanoi auschecken, einen Stock tiefer gehen und wieder einchecken. Und dafür noch ein Visum??? Wir wollen schon die österreichische Botschaft einschalten, doch haben wir übersehen, dass es in Laos kein Roaming für unser Netz gibt.

Und so wird heftig gestritten - unser ursprüngliches Vietnam-Visum war bei der erstmaligen Ausreise aus dem Land natürlich "gebraucht" und damit trotz Dauer bis 7.1. abgelaufen. Nun standen wir ganz schön blöd da, ging es doch darum, auch die jeweiligen Anschlußflüge in drei weiteren Städten zu erwischen. In Wien dauerte es drei Tage, ein Visum für Vietnam zu erhalten, und kostete enorm viel Geld (72 Euro!). Die Erklärung, wir sollten uns doch einfach in der Botschaft noch ein Visum besorgen und drei Tage anhängen, macht mich entsprechend gebuchter und bestätigter Flugtickets also eher rasend.

Während mein Aggressionspegel und meine Lautstärke zusehends mehr wurden, hebt unsere Maschine nach Hanoi ab - ohne uns, denn wir würden ohnehin nur wieder auf eigene Kosten nach Vientiane abgeschoben werden (!).

Glücklicherweise gab es um 18:10h noch eine Maschine und unsere lautstarken Beschwerden haben beim nicht besonders fähigen Personal in Vientiane zumindest dazu geführt, dass wir auf diese Maschine umgebucht werden. Nutzt aber ohne Visum nichts. Vor allem, weil der Flug Hanoi-HCMC um 18:35h geht und damit naturgemäß versäumt werden würde. Doch auch da gibts einen zweiten Flug um 20:35h. Allerdings könne er die Tickets dafür nur auf Standby kriegen und uns keinen Platz im Flieger garantieren, sagt uns der Laos-Vertreter von Vietnam Airlines. Und Visum haben wir ja ohnehin keines.

Vielleicht fliegen wir einfach einen Tag später direkt nach Ho-Chi-Minh-City, dann bräuchten wir nicht auf Domestic wechseln und damit auch kein Visum beantragen? Nein, erkläre ich ihm, denn da gibt es keine Anschlußflüge nach Europa - für weitere vier Tage. Und über Hanoi nach Frankfurt fliegen, am nächsten Tag? Geht auch nicht, weil der Flug bereits voll ist und von uns extra bezahlt werden müsste... ich denke ja gar nicht daran!

Zwölf Flüge hatten wir bis dahin bereits mit dieser Airline gebucht, erkläre ich dem schon leicht nervösen Herren. Und dann dieser Fauxpas. Unser nunmehr schon ständiger Begleiter am Flughafen hat jetzt aber erstmal Hunger und geht in Mittagspause. Laotische Gemütlichkeit, eh scho wissen. Nach seinem Mahl hat ers aber dann doch auch eilig. Normalerweise träte er seinen Dienst erst um 15:30h an, erklärt er uns, aber in unserem Fall hat er eh schon eine Ausnahme gemacht. Und daher, bietet er uns an, flitzt er zur Botschaft - er kennt da wen - und besorgt uns ein Express-Visum. Kostet nur 60 Dollar und geht schnell.

Weil uns nicht viel Zeit und noch weniger Wahl bleibt, schicken wir ihn mit unseren Pässen und dem Geld fort, warten fast zwei Stunden und werden auch schrittweise nervöser. Doch er kommt tatsächlich zurück und wir können die wahnwitzige Reise antreten. Zweitoptionsflug nach Hanoi, dort 80 Minuten um auszuchecken, Immigrationsstelle passieren, Gepäck holen, in den anderen Terminal rein... und dann draufkommen: Wir haben ja noch gar keine Tickets! Der Schlaumeier konnte uns diese ja nicht umbuchen und bestätigen!

Glücklicherweise ist das Personal in Vietnams Hauptstadt freundlich, hilfsbereit und auch ein wenig unbürokratischer. Ein paar Minuten des Bangens während des Hörens vietnamesischer Diskussionen zwischen dem Airlinepersonal später haben wir tatsächlich einen Flug umgebucht. Was für ein Spektakel ein für Europäer so normales Unterfangen doch sein kann. Kurz vor Ende der Check-In-Zeit schaffen wir es also, unser Gepäck nunmehr bis Wien durchzuchecken und in den Zweitoptionsflug nach HCMC zu setzen.

Dort angekommen, bleiben uns wiederum nur 70 Minuten Zeit, um vom Domestic in den International Terminal zu wechseln, formell wieder aus Vietnam auszureisen und unser Visum den verwunderten Behörden nach zwei Stunden Vietnam-Aufenthalts wieder abstempeln zu lassen. Und das klappt genau in der Zeit, sodaß wir tatsächlich kurz vor Mitternacht und also Jahreswechsel in der richtigen Maschine nach Frankfurt sitzen. Hallelujah!

Erschöpft und erleichtert stellt Nora fest, dass diesmal im Gegensatz zum Anflug keine Kleinkinder unter den Passagieren zu sein scheinen und wir uns eine Portion Schlaf gönnen können. Sie hatte jedoch einen kleine Quälgeist übersehen, der nicht sonderlich gut aufs Fliegen zu sprechen scheint - und justament drei Reihen vor mir sitzt und den ganzen 13stündigen Flug durchschreit, als wäre es eine Opernaufführung perpetuum mobile.

Ankommen tun wir trotzdem, und erwischen sogar auch den letzten Anschlußflug nach Wien - gerade noch. Das wir in der Zwischenzeit achtmal durch alle Zeitzonen durch Neujahr gefeiert haben hätten können - wurscht. Dahoam is dahoam.

Ausgewählte Fotos aus vier Wochen Südostasien.

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