Montag, 12. Oktober 2009

Blumenau.

Es gab in letzter Zeit ein paar gute Gründe, im Freundeskreis über die Figur Martin Blumenau zu diskutieren. Vorwiegend kamen die diesbezüglichen Inputs und "Fragen" von außen an mich heran, und ich habe dabei immer eine Außenseiterposition eingenommen. Ich will das erklären - und das eher zufällig justament gerade jetzt, wo er selbst auch über mich und unser aktuelles 80er-Jahre-Projekt schreibt. In gewisser Weise ist dies also die Replik.

Blumenau ist seit jeher ein Reibebaum, ein richtig unangenehmer Zeitgenosse, ein klassischer Fall von "Stachel im Fleisch" - und das für viele. Es ist für viele schwer an ihn heran-, und noch schwerer mit ihm auszukommen. Selbst mit "Kollegen" (Karl Fluch) oder langjährigen Freunden (Walter Gröbchen) gab es in jüngster Vergangenheit geradezu unglaubliche, weil auch sehr öffentliche Meinungsschlachten. Wiewohl ich ihn seit mehr als zehn Jahren kenne und ihm immer wieder begegne, erschließt sich mir immer noch nicht so ganz genau, ob Martin Blumenau mehr Figur oder Mensch ist.

In ersterem Fall, und an diesen will ich fest glauben bis man (er) mir das Gegenteil beweist, ist er einer der wichtigsten Zeitgenossen überhaupt. Meine Position in Diskussionen über die Person Blumenau ist dann diese: Was er auspackt, hat Methode. Als Figur ist er ein Märtyrer seiner eigenen Idee. Er mag schimpfen und polemisieren, provokant sein und herausfordernd - aber in genau dieser Form auch immens wichtig.

Einerseits, weil er mit FM4 natürlich ein tolles Sprachrohr zur Verfügung hat, dass seine "Meinung" multipliziert und ihm einen gewaltigen Stellenwert einräumt. Zweitens und vielmehr aber, weil es immer im weiteren Sinne zugunsten der "Sache" ist: Was Blumenau nämlich am konsequentesten macht, ist, den Diskurs einzufordern.

Streitet gefälligst! Wenn ich euch beschimpfe: Schimpft zurück! Und tut es gefälligst anständig, nicht halbherzig! Es geht dabei nicht wirklich um persönliche Beleidigungen (auch wenn sie manchmal Teil der Methode sind) - es geht darum, seine Meinung sagen zu können und zu dürfen. Und noch viel mehr darum, innerhalb eines solchen - oft emotionalen - Diskurses etwas ganz wichtiges zu tun: Nachzudenken. Man sollte seine Meinung gut begründen können, man sollte hinter seiner Meinung stehen können. Um dieser Herausforderung das notwendige Gewicht zu verleihen, ist sanftes Streicheln und konsensuales Denken (das entspräche eher mir) mitunter der falsche Ansatz. Es braucht also einen Blumenau.

Sein "Spiel" findet dabei auf der Meta-Ebene statt und leistet sich dabei durchaus auch Fehler. Er pocht auf Bildung, Geschichtskenntnis und Faktentreue - nimmt es dafür aber leichtsinnigerweise in Kauf, auf Genauigkeit selbst nicht allzuviel Wert zu legen. So heiße ich im aktuellen Artikel zunächst Martin Tschürtz (und ich weigere mich zu glauben, dass er es nicht besser weiß) und er verlegt die Bravo Hits in die 80er. Selbst das könnte Methode sein, ich plädiere hier aber entschuldigend dafür, dass die Geschwindigkeit seines Mediums (konkret dem täglichen Journal) auch Opfer fordert - etwa Schnelligkeits- und Schlampigkeitsfehler. Ich war selbst Journalist, ich habe selbst und gerade heute zugeben müssen, wie schwer es ist, einen akkuraten und täglichen Blog zu verfassen.

Und selbst wenn es mitunter nicht den Qualitätskriterien manchen kritischen Lesers entspricht:
Martin Blumenau liefert Gesprächsstoff - das beweist auch dieser Artikel. Genau diesen liefert auch sein tägliches Journal. Er ist ein Agenda Setter. Er sagt, worüber gesprochen wird. Und diese Rolle nimmt er sehr ernst. Die sachliche Ebene, seine ureigene, persönliche Meinung sind letztlich sekundär. Sein Ziel hat er erreicht, indem er die Menschen vor dem Bildschirm dazu bringt, zu widersprechen.

Letztlich zeigt er damit auf, dass Diskursfähigkeit (im persönlichen Sinn) und Meinungsfreiheit (im globaleren) zwei Dinge sind, die gar nicht hoch genug einzuschätzen sind. Sie sind der Nährboden für Fortschritt, für Weiterentwicklung. Diskutieren wir nicht (oder es wird uns erschwert oder gar verboten), degenerieren wir als Menschen und als Gesellschaft schneller als uns lieb ist. Es ist eine zentrale Aufgabe des Journalisten, jeden Tag aufs Neue auf dieses - sein ureigenstes - Grundrecht zu pochen und seine Wichtigkeit zu beweisen. Das Medium Internet erleichtert dies immens (Widerspruch! Diskussion!) - also stimmt auch das Format mit der Theorie überein.

Ich will diesem, meinen Blumenau-Bild glauben schenken und damit dem "freien Radikalen" den Raum geben, den er braucht. Seine Artikel ernten manchmal meine Zustimmung, manchmal verursachen sie ein Kopfschütteln; meistens machen sie mich nachdenken. Alles so, wie es sein soll und gewollt ist.

Es darf in diesem Muster keine völlig ergebenen Blumenau-Fans geben - es würde dem Prinzip widersprechen. Bloß: Wäre all dies falsch und Blumenaus Intentionen völlig andere - es wäre eine große Enttäuschung und es wäre noch viel mehr infrage zu stellen. Aber das ist eine andere Geschichte, genauso wie meine persönliche Position zu "Death To The 80s".

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