Mittwoch, 24. Juni 2009

Amadeus, Amadeus.

Alle drei bis sieben Leute, die sich außerhalb der "Branche" im heurigen Frühjahr darüber gewundert haben, dass kein "Amadeus Austrian Music Award" stattfand, seien beruhigt: Es gibt ihn noch. Später (am 10. September) und "ganz neu". Neues Team, neues Format und überhaupt.

Mario Rossori, der neun Jahre lang dieses große Fressen mit vorhergehender Statuettenübergabe geschupft hat, wurde gegen ein Konglomerat rund um Michi Gaissmaier ("Heinz"-Sänger) und Niko Alm (Super-Fi) getauscht.

Nun ist dieser Wechsel womöglich gut gemeint, soll ein Signal für Aufbruch, Neustart oder was auch immer sein. Soweit Einblick besteht, schwinge ich mich zu dieser etwas kühnen Beurteilung auf: Mario Rossori war als Auftragnehmer des Veranstalters IFPI (des Industrieverbandes) oft in der Bredouille, nach den Wünschen und Vorgaben der alten Granden in diesem Gremium zu werken. Und - ich spekuliere: Die waren wohl nicht selten einigermaßen weltfremd. Große TV-Show mit großen internationalen Stars, großer Bedeutung und großem Interesse - als Wunsch gut und schön, aber als Realität wäre das in etwa der Versuch des SV Mattersburg, Champions League zu spielen. Es fehlte vielmehr an echter Substanz im (nationalen) Pop-Fach - etwas, woran die Industrie selbst die Hauptschuld trägt.

Das neue Team hat hingegen den Startbonus genutzt und lange genug "Neubeginn" gerufen, bis man ihnen genau diesen gewährt. Deshalb hat der "neue" Amadeus auch eine faire Chance verdient. Grundsätzlich positiv ist das Weglassen internationaler Kategorien, die weder hierzulande noch für die Shakiras und Pinks dieser Welt irgendein Gewicht oder einen Sinn hatten. Positiv demzufolge auch die beabsichtigte, verstärkte Zuwendung zu "künstlerisch wertvollen" Produktionen und eine etwas breiter gefächerte Genreaufteilung.

Der eine oder andere Teufel steckt in den Details. Bislang wurden die fünf aus den jeweiligen Kategorien Nominierten durch ihre Hitparaden- und Verkaufswerte "legitimiert", um sich in der Folge einer 400-köpfigen Branchenjury zu stellen, die aus mitunter etwas seltsam anmutenden Listen ohne wirklich (für die Juroren) relevanten Vertretern den Sieger bestimmt haben.

Nun sollen jeweils 20 "Fachleute"fünf Nominierte in ihren jeweiligen Genres bestimmen - ich selbst "darf" als einer dieser Auserwählten in der Jury "Alternative/Rock" vorwählen. Dann greift das Publikum ein und wählt den Sieger via Internet-Abstimmung. Der Prozess wurde also in gewisser Weise umgedreht - und wird daher ein waghalsiger Kompromiss.

Man vermeidet es ein echter "Kritikerpreis" zu sein, wohl um dem Argument vorzubauen, man binde das Publikum nicht ein. Das Publikum aber ist ohne TV-Partner (wie es derzeit aussieht) ohnehin schwer in Mengen zu einer Mitwirkung zu bewegen sein (was in jedem Fall schade ist). Und es wird wohl mit der Kritikerliste in manchen Fällen ebenso wenig anzufangen wissen, wie seinerzeit die Branchenfuzzis mit von Teenagern in die Wertung gekauften Singles künstlicher Popsternchen von wenig künstlerischem Belang.

Zudem ist die Jury natürlich wiederum eine sehr eng besetztes Gremium, aber kein wirklicher Entscheidungsträger. Und eben keine Kritikerjury, sondern vielmehr ein Abbild der Branche selbst - also nur eine eingeschränkte Form der "alten" Jury. Warum ich als direkt Beteiligter, als Vertreter von Künstlern aus diesem Genre in dieser Jury sitzen soll und darf, ist mir ein klassisch österreichisches Rätsel. Wohl sind auch Kollegen von befreundeten Labels vertreten - doch das macht es nur seltsamer: Taktisch wählen für die "eigenen" Künstler? Sie bewusst weglassen, obwohl man sie "neutral" für die besten hielte? Nein, diese Gedanken sollten keine Rolle spielen müssen - in Wirklichkeit sollte das Urteilen Journalisten und Fachleuten "von außen" überlassen werden.

Die Genre-Verteilung ist dann der vielleicht letzte gebliebene Rest der bisherigen Gepflogenheiten, sich der Marktmacht zu ergeben. Während Schlager und Volkstümliche Musik zwei getrennte Genres bilden, deren Unterscheidung man an der Liste der Jury-Mitglieder erkennt (es sind zu 90% die selben), ärgert sich die nicht kleine Jazz/World/Blues-Fraktion zurecht über ein gigantisches Sammelsurium in ihrem Genre. Problematisch wird insofern auch die (wiederum an sich gut gemeinte) Freiheit, dass die Jury-Mitglieder selbst bestimmen, was sie "ihrem" Genre zuordnen würden.

Mitte Juli werden wir schon etwas mehr wissen, dann werden die Nominierten (also die Resultate der Jury-Wertungen) bekannt gegeben, dann steigt die Öffentlichkeit in den Ring. Ohne große TV-Vermarktung und so, dafür mit Focus auf Mitbestimmungsrecht durch Web 2.0-Applikationen. Aber dazu ein andernmal mehr. Ich werde naturgemäß den Entwicklungsprozess dieses erneuerten österreichischen Musikpreises weiterhin aufmerksam verfolgen und kommentieren.

http://www.amadeusawards.at/amadeus-neu/jury/