Freitag, 11. September 2009

Amadeus, Amadeus - Fazit.

Der Tag danach. Verkatert ob zu wenig Schlafes, einer gehörigen Portion Ausgelassenheit und eines langen Vortages mit Austrian Music Convention und Amadeus. Irgendwie gehört sich das so. Ich hab hier zuletzt das neue Amadeus-Format zu analysieren versucht und habe Interviews zum Thema gegeben. Das hat mir auch Kritik eingebracht - teilweise, weil ich mißverstanden wurde. Jetzt, wo die ganze Chose vorbei ist, lässt sich ein kurzes, erstes Resümee ziehen.

Der Amadeus hat so etwas wie eine Neugeburt gefeiert - und das war gut so. Natürlich ist und bleibt es eine Musikpreisverleihung, deren Sinnhaftigkeit und "Coolness" sich immer nur bedingt erschließt. Aber: Die IFPI hat Mut bewiesen. Die "böse" Major-Industrie hat sich von ihrem Pferd herunter getraut, hat sich umgesehen, die Realitäten endlich anerkannt (sinkende Plattenverkäufe, andere Kommunikationswege zum "Fan") und sich getraut, ein breites Szene-Abbild auf die Bühne zu stellen. Warum denn auch nicht!

Dass das nicht im ersten Jahr grandios funktioniert - speziell im Sinne von Einschaltquoten, Sponsorenerlösen und Medienresonanz: klar. Dass dieser Versuch aber ebenso richtig wie wichtig war: auch klar. Langfristig lässt sich so eine echte Identität für diesen Award aufbauen. Etwas, dass der Preisverleihung in den letzten neun Jahren beim Versuch eine internationale Awardshow zu simulieren, immer fehlte.

Niemandem sind die internationalen Gäste und Preise gestern auch nur ansatzweise abgegangen - zurecht. Den meisten Applaus des gewohnt mauen "Industriepublikums" hat eine Band eingeheimst, die bislang nicht im Entferntesten eine Plattform für so einen Auftritt zugesprochen bekommen hätte: The Sorrow (die dann auch noch einen Preis in ihrer "Metal"-Kategorie abstaubten). Selbst unsere für die nachmittägliche Convention angereisten internationalen Gäste haben das anerkannt (sie haben sich auch alle Fatima Spar & The Freedom Fries, Kreisky und Bunny Lake in ihre Notizbücher gekritzelt).

Was der Show bei vielem, was man diskutieren kann, noch fehlte, war eine würdige Stimmung (siehe "Industry People Problem"). Wir haben in kleiner Runde dazu schon eine Idee entwickelt, die ich den Herren gerne vorschlagen werde: Eine etwas größere Location wählen (wiewohl das MQ mir gut geeignet erschien) - und die Fans nicht nur fürs Voting einbinden, sondern auch für den Event: Jede Nominierte Band soll ihre 30-50 treuesten Fans mitnehmen (dürfen) - ein perfekter "Preis" fürs Abstimmen, ein Riesenbonus für die Stimmung. Ich bin mir sicher, dass der Austausch zwischen Metal-, HipHop- und Schlagerfans letztlich auch zu einem bunten Rahmen beitragen wird können - und vielleicht Brücken bauen kann, die auch die vorhandenen, tiefen Gräben zwischen den hiesigen Szenen überwinden hilft. Ein Extra-Applaus für den Ansatz dazu geht raus an Kamp & Whizz Vienna, die sich gleich einmal mit Andreas Gabalier verbrüdert haben und ein Mash-Up auf der Bühne inszenierten - warum denn auch nicht!?

Die Fans werden selbst dann kaum böse sein, wenn sie das traditionelle Gemetzel am Buffet und die branchenübliche Alkoholentsorgungsaktion versäumen (müssen). Sollen die "VIPs" halt. Apropos. Dieses Jahr gabs rumgereichtes Fingerfood statt eines mächtigen Buffets: Supere Idee, sparsam noch dazu. Kein Gedrängel, nur etwas wenig Personal stand offenkundig zur Verfügung. Und jenen, die den Amadeus ganzes Jahr beschimpfen, dann hingehen, sich kostenlos plattsaufen, um danach wieder zu schimpfen: Warum tut ihr euch das an und bleibt nicht einfach zuhause?

Es gibt Kritikpunkte, gewiss. Die bereits besprochenen - die Details des Voting Systems etwa. Oder das Faktum, dass sehr viel Geld eines völlig intransparenten Fonds für soziale und kulturelle Einrichtungen in diese Veranstaltung fließen muss um sie zu ermöglichen. Dinge, die im weiteren Verlauf dieser Diskussion sicher noch angesprochen werden, die nicht unerwähnt bleiben sollen und eine konstruktive Weiterentwicklung dieses Formats ermöglichen sollen. Heute aber soll zunächst einmal dieser positive Gesamt- und Entwicklungseindruck überwiegen.

Der Amadeus hatte keine Chance - und hat sie genutzt. Er ist auf dem Weg eine grundehrliche,
bodenständig-österreichische Musikveranstaltung zu werden. Kein Glam, den es hier eh nicht gibt; keine falsche Größe simulierende Pseudo-Pop-Welt, die marktbedingt hier eh gar nicht existiert. Ein kleines Pflänzchen, gewiss. Wollen wir hoffen, dass es ein kräftiger Baum wird.

Weitere nicht uninteressante Behandlungen dieses Themas gibt es von den geschätzten Kollegen Walter Gröbchen und Martin Blumenau - sowie eine Außensicht der Dinge von Christian Schachinger im Standard.