Montag, 11. Juli 2011

Der langsame Tod.

Seit nun schon mehr als zehn Jahren wird der Tod der Musikindustrie beschworen, und doch ist sie immer noch quicklebendig. Bloß die Rollen, Mitspieler und Profiteure haben sich geändert. Seit jeher ist der wirtschaftliche Erfolg von und mit Musik kaum eine Frage von guten oder schlechten Songs, sondern von Technologie gewesen. Das hat in der letzten Dekade immerhin auch zur "Demokratisierung" der Gestaltung und Verfügbarkeit von Musik geführt.

Mittlerweile bewegen wir uns vom „Besitz“ von Musik völlig weg, selbst der iPod ist praktisch schon wieder Geschichte. Die neuen Schlagzeilen gehören dem Streaming - Musik immer und überall verfügbar, in der „Wolke“. Die Entwicklung ist nicht nur logisch, sondern aus Konsumentensicht ungemein angenehm. Unlimitierter Zugang zu einer universellen Musikdatenbank mit allen möglichen Titeln - das bringt Musik endgültig auf eine Stufe mit Wasser, auf den Weg zum allzeit verfügbaren Gemeingut.

So ganz nebenbei gelingt dabei der Coup, dass die „Illegalität“ teils radikal entsorgt wird – denn die beliebtesten Streamingdienste sind (zumeist) legal und führen Gebühren ab (zumindest tun dies simfy, last.fm und spotify) - das verführt viele dazu, in diesen Diensten die Rettung der Musikindustrie zu sehen.

Weil die Judikatur der Realität aber überall hinterhinkt, Gesetzgeber zu langsam und bestehende Rechteinhaber schlichtweg zu blöd und eigensinnig sind, wird es hier für viele Anbieter kompliziert. Daher sind Dienste wie spotify oder turntable.fm nicht überall (auch nicht in Österreich) erhältlich (ebenso wenig wie die großartigen Filmdienste Netflix oder Hulu, tolle, legale Alternativen zum Download ganzer TV-Serien-Staffeln).

Was außerdem bei aller Romantik dieses ultimativ letzten Schrittes zur totalen Demokratisierung jedoch noch fehlt, ist ein Blick auf die andere Seite – die der Künstler und Kreativen, und damit auch der sprichwörtlichen wirtschaftlichen Seite der Musik.

Das Beispiel Apple zeigt, dass Musik lediglich ein Vehikel ist – oder glaubt ernsthaft jemand, Steve Jobs geht es um Musik? Warum also sollte das bei den Erfindern von spotify etc. anders sein? Was erfolgreiche Technologiebetriebe seit jeher bestens verstehen, ist, andere den Preis zahlen zu lassen – und wer würde sich besser dafür eignen, als das ohnehin schon halb geschlachtete Vieh Musikindustrie? Das ist die Rettung? Mit diabolischem Grinsen und dem Metzgermesser in der Hand?

Dem ist ein aus dem Leben gegriffenes Beispiel hinzuzufügen: Im Monat Juni wurden 8.598mal Tracks aus unserem Labelrepertoire von Ja, Panik auf last.fm abgespielt (Streams). Bei einer angenommenen Durchschnittsdauer von 3 Minuten pro Song ergäbe das knapp 18 Tage durchgehende Musik. Eine Menge? Das wirtschaftliche Ergebnis davon sind sagenhafte 1,06 Euro – insgesamt, wohlgemerkt.

Bei allem Respekt vor Kosten für Entwicklung und Instandhaltung eines Systems wie last.fm, bei allem Respekt vor der Zugänglichkeit zu freien Datenbanken für den Konsumenten – das kann sich so nicht ausgehen. Diese berühmt gewordene Grafik veranschaulicht das Problem: http://www.informationisbeautiful.net/2010/how-much-do-music-artists-earn-online/

Wenn das die Rettung ist, überfährt sie mit ihrem Wagen die Industrie samt den Kreativen mit Blaulicht und Karacho. Spielen wir´s durch: Wer last.fm benutzt, kann auch prächtig Statistiken aufrufen, wie oft er beispielsweise seine Lieblingssongs hört. Seht nach! Selbst Titel, die man oft und gerne hört, werden kaum mehr als 30-50 Plays im Lauf der Zeit generieren. Nehmen wir den iTunes-Wert von 1 Euro pro Titel als Referenzwert für „Eigentum“ her, wäre jeder einzelne Play also 2-3 Cent wert.

Dass der Stream nicht den „Wert“ des Eigentums hat, ist klar. Die Vielfalt und Verfügbarkeit senkt den Wert des einzelnen Titels weiter, auch klar. Gingen wir also von bloß 0,005 Euro (einem halben Cent) pro Titel aus - also ein Sechstel des errechneten Kaufwertes - hätte unsere Labelabrechnung in obigem Beispiel bereits 43 Euro ausgewiesen – immerhin. Anstelle eines verkauften Titels um 99 Cent hätte ein einzelner Kunde zirka 20 Cent im Lauf der Zeit für das Immer-wieder-Hören eines Songs bezahlt – guter Deal, right?

Hört er insgesamt sehr intensiv Musik, sagen wir 3h durchschnittlich pro Tag, käme er mit dieser Preisgestaltung auf Kosten von 9 Euro pro Monat – klingt leistbar, oder? Bloß. Wir reden aktuell von einem winzigsten Bruchteil, einem dreiundvierzigstel davon. Unser Digitalvertrieb hat seine Abrechnung mittlerweile auf acht Stellen hinter dem Komma (!) umgestellt, um die Auszahlungsbeträge von spotify und last.fm überhaupt darstellen zu können.

Ok, der Paradigmenwechsel von Eigentum auf Leihe kennt wie alles andere, das sich ändert, Gewinner und Verlierer. Es erscheint mir allerdings auf Dauer etwas langweilig, als Vertreter der Kreativen immer auf der Seite der Verlierer stehen zu müssen. Noch dazu, wo mir die Gewinner gleichzeitig sagen, sie hätten mich gerade gerettet. 

Solange sich die 10- bis 20-Euro-Monatspauschalen der Dienste noch nicht als breit akzeptiertes, gutes Angebot beim Konsumenten durchgesetzt haben, ist nichts verloren und nichts zu gewinnen. Sollte die Musikseite als Content-Provider aber wieder einmal verschlafen, worum es hier geht, könnte dies die letzte Stunde für die „Wirtschaft“ in "Musikwirtschaft" eingeläutet haben. Bei aller Demokratisierung bliebe dann nicht mehr recht viel übrig von der vielen potentiell geschaffenen Musik - weil sie niemand mehr zu vermarkten und verbreiten imstande ist.

Liebe Streaming-Dienste: Ich find euch klasse, aber wir müssen dringend an einem fairen Deal arbeiten. 

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Kommentare:

  1. Klare, wahre Worte. Und dabei ist der - mit Lichtjahren Abstand - bekannteste, meistgenutzte und günstigste (billiger als gratis geht nicht) Streaming-Dienst in Sachen Musik YOUTUBE. Bis heute ist keine befriedigende, tragfähige Lösung für die Monetarisierung des Contents - von dem alle profitieren, nur nicht der/die Künstler - gefunden worden. Weder von der einen noch der anderen noch von dritter Seite.

    Hier mal ein interessanter link, ohne Kommentar: http://alturl.com/vizpu

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  2. Liebe Musik-Funktionäre die gleichzeitig Digital Native sind,

    ned jammern sondern selber Geschäftsmodelle erfinden oder schlicht und einfach selbst vetreiben.
    Marketing != Vertrieb

    Bitte, Danke.

    Ein Kunde

    PS Ich kauf DRM-freie mp3s entweder direkt beim Label oder im großen Store wenn das Label zu faul ist. Wenn ich ganz heiss auf was bin dann gibt's das Vinyl auch im Einkaufskorb.

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  3. Danke Walter für den Link. Und lieber Anonym, ich mach eh schon viel, ich kann nicht auch noch Spotify machen. Gut, schön, lobenswert dass du bei uns direkt kaufst, dass du Vinyl schätzt wie auch wir. Danke! Aber wenn alle einmal von wenigen Quellen streamen, die ALLES anbieten (so wie spotify), nutzt das letztlich wenig, wenn die Verteilungsgerechtigkeit nicht gegeben ist.

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  4. Liebe Musikschaffende: Ich find Euch klasse, aber wir müssen dringend über die Raubritterpreise bei Konzerten reden.

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  5. Lieber Gerald, definiere Raubritterpreise. Wir reden hier nicht von U2 und Sting, sondern von Bands, die versuchen sich das Leben zu finanzieren und vor 100-700 Leuten in Wien spielen. Kaum wer verlangt da mehr als 7-15 Euro. Raubritter?

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  6. Und diese Bands verlieren Unsummen durch Streaming? Wohl kaum. Beim Streaming sind gerade die großen Namen die Verlierer. Warum soll ich mir den neuen Hitparaden-Song für immer kaufen, wenn er mich ohnehin nur 3 mal interessiert?

    Bei Musik, die mich auch in einem Jahr noch interessieren könnte, kauf ich mir dann vielleicht doch den Song in besserer Qualität.

    Der Vergleich mit einem Kaufsong ist übrigens falsch, vielmehr müsstestDu Streaming Erlöse mit denen aus der AKM vergleichen. Das wäre mal interessant.

    Noch eine Frage: Wenn Streaming Dienste so schlecht zahlen, warum ist man dann drauf?

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  7. @Gerald: ich wiederhole nur - YouTube... (siehe oben)

    @Vicious: Steve Jobs ist, glaub' ich, wirklich Musikliebhaber. Und versucht über das geschlossene Convenience-Modell von Apple zu retten, was ev. noch zu retten ist. Über eine Art "freiwillige Kultur-Flatrate"... Aber keine Licht- ohne Schattenseiten.

    http://groebchen.wordpress.com/2011/06/11/wolkenkuckucksheim-2/

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  8. Du hast natürlich recht, es kommt zu wenig dabei rum für Labels und Künstler. Und das ist schmerzhaft, denn Streaming ist konkrete Alternative zum Kauf und nicht wie viele meinen Promotion für den Künstler die zum späteren Kauf führt. Stellt sich nur die Frage, was für den Streamingservice selbst, teilweise über Abos, zumeist allerdings über Werbefinanzierung rum kommt. Oftmals ist das ebenfalls nicht viel, das Netz funktioniert finanziell über Millionen klicks und Mikrocentbeträge via ad impressions. Daher stellt sich leider die nächste Frage: Kann das Modell "Musik via Werbefinanzierung" überhaupt funktionieren oder muss man eben doch konkret für Musik zahlen. Und wie Gerald sagt: Warum macht man da mit?

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  9. http://musically.com/blog/2011/06/22/music-4-5-prs-for-music-talks-collecting-licensing-m4pt5/

    geht ein wenig in die gleiche Richtung und bei den Vienna Music Business Research Days ist Will Page auch auf diese Problematik eingegangen, bin gespannt was sich da in Zukunft entwickeln wird.

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  10. Den Gründern von Spotify ging es ziemlich sicher auch um Musikkultur, bei den Risikokapitalgebern dahinter ist der Beweggrund ein anderer. Ich würde aber Last.fm und Konsorten nicht unbedingt zu den Gewinnern zählen. Es schaut nicht so aus, als ob last.fm Einnahmen generiert die eine gerechte Verteilung überhaupt erst möglich machen würden.

    Die Videospiele-Industrie war um einiges dynamischer was die Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen im digitalen Umfeld angeht. Vielleicht gibt es darunter auch Modelle die sich auf Musik umlegen lassen.

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  11. Als Musiker seit 30 Jahren möchte ich von einigen hier postenden Menschen erfahren, wie sie sich eigentlich die ideale Zusammensetzung des Musikereinkommens vorstellen.
    Klingt jetzt sehr pathetisch, aber: Wenn diese Welt die guten Musiker nicht bezahlt, wird sie eben mittelfristig keine gute Musik mehr bekommen.
    Wenn ich mit meiner Band spiele, stehen ca. 50000€ auf der Bühne herum. Um das in 5 Jahren (=Abschreibzeitraum) reinzubekommen, muß ich pro Woche ca. 200€ einspielen. Dazu kommen dann Reparaturkosten, Fahrtkosten (Busverleih, billiger als selbst kaufen) etc. Macht in Summe erfahrungsgemäß ca. 300€ pro Auftritt. Wohlgemerkt, da wurde noch kein cent verdient.
    Für einen Auftritt von 2 Stunden arbeiten 4 Musiker=Bühnenarbeiter=Technikcrew 8 Stunden. Das lassen wir mal beiseite. Weil es egal ist, wieviel ich arbeite, ich muß im Monat auf ca. 2000€ kommen, damit ich irgendwie überleben kann (Familie, Steuern, Versicherung, Neuanschaffungen, Proberaummiete etc.)
    Wenn ich tatsächlich 2 Auftritte pro Woche spiele, bedeutet das, daß pro Auftritt ziemlich genau 1250€ reinkommen müssen. Verlange ich 5€ Eintritt, müssen also regelmäßig 250 Leute kommen. Das geht nur, wenn ich halbwegs berühmt bin.
    Durch die schöne neue virtuelle Welt gehen die Leute aber nicht mehr weg.
    Sie laden sich meine Songs gratis runter.
    Also muß ich mir eigentlich einen anderen Job suchen. Das ist ok, aber dann kriegt die Welt eben nur noch Musik aus der Dose. Man wird in ca. 100 Jahren sehen, was an der Musik seit den 90ern sich als überlebensfähig erweist...

    Martin Schwarz

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  12. Eine Thematik, die leider viel zu selten mit konkreten Zahlen abgehandelt wird. Danke dafür!
    Noch interessanter wäre der Vergleich mit den in eigentlicher Beziehung stehenden Medien, sprich Streaming contra Radio/TV.

    Der Knackpunkt ist sicherlich YouTube. Dort spielt die Musik, dort ist die Masse der Hörer/Seher. Dagegen sind spotify, last.fm und alle anderen (derzeit) nur Nebenschauplätze.

    Der Vergleich mit der Games-Industrie ist ein hinkender. Weder sind Ausgangslage und Produkte vergleichbar, noch sind die Geschäftsmodelle so toll und gefinkelt entwickelt.
    Umgelegt auf die Musikindustrie würden weltweit vielleicht 30 bis 40 Künstler pro Jahr wirklich Gewinne mit dem Verkauf von CDs machen. Der Rest darf Verlustvorträge geltend machen oder sich über eine schwarze Null freuen.
    Auch die digitalen Geschäftsmodelle sind bei näherer Betrachtung so großartig nicht. Im Wesentlichen werden Boxen online vertrieben, eine beschränkte Anzahl von Titel gibt es über Dienstleister wie Steam online zu "leihen" - wobei der Weg von Besitzsoftware hin zu Leihsoftware immer noch für heiße Diskussionen sorgt.
    In aller Munde sind natürlich die tollen Gewinne von Zynga und Co. - den Anbietern von Social und Browser Games. Hier ist ein Vergleich leider so gar nicht möglich. Diese Games leben hauptsächlich von der Beschleunigung und Erweiterung des Spielerlebnisses. Umlegen auf die Musik? Ja, Panik bieten ihre neue Single gratis an, dafür nur mit Akustikgitarren eingespielt. Gegen geringes Entgelt gibt es dann die volle Studioversion?
    Keine Frage, die Games-Industrie ist offener gegenüber neuen Möglichkeiten und reagiert flexibler als die Musikindustrie. Im Endeffekt hat aber auch sie keine Lösung gegen das eigentliche Problem. Games gehören inzwischen zum Alltag wie Musik. Ein nicht geringer Anteil der Spieler pocht sogar auf das "Recht auf Spielen". Aber warum dafür zahlen, wenn man es gratis erhalten kann? Eine Lösung dagegen ist nicht in Sicht. Entsprechend präsentiert sich das Angebot: Wenige Top-Titel, die allesamt Fortsetzungen bewährter Brands und damit "idiotensicher" sind und eine unüberschaubare Anzahl an - Verzeihung - dämlichen Social Games, von denen wiederum nur wenige wirklich gut verdienen und der Rest auf das große Glück hofft.
    Auch im gelobten Land der Videospiele fließt nicht nur Milch und Honig. Überwiegend riecht es eher nach Blut, Schweiß und Tränen.

    Vergleichbar sind diese beiden Sparten der Unterhaltungsindustrie aber in einem anderen Bereich. So wird da und dort gerne das Argument vom sich selbst regelnden Markt bemüht. Wer nichts verdient, ist halt nicht gefragt und nicht gut genug. An sich richtig. Nur bei digitalen Gütern leider nicht statthaft. Denn das Produkt wird benutzt, oft sogar vielfach und weltweit. Nur werden die Produzenten dafür schlicht nicht entlohnt. Es mangelt also nicht an Interesse. Der Markt will das Produkt, aber ist nicht bereit dafür eine entsprechende Vergütung zu bieten, da es ja auch ohne diese geht. Doofer Vergleich: Ferrari geht bankrott, obwohl jeder mindestens drei Leute kennt, die einen Ferrari fahren ;-)

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  13. Auch ganz witzig: die AKM bedroht kleine Lokale, weil sie keine Abgaben für Auftritte von relativ unbekannten Bands leisten, während im Web zigtausend plays unter den Tisch fallen...

    Das eigentliche Problem ist nicht auf die Musik beschränkt. Die Gesellschaft wurde längst umgewandelt: der Markt herrscht. "Freiheit" muß auf einer begrenzten Welt immer einseitig sein. "Solidarität" ist in jeder Hinsicht ein Fremdwort. Jeder möchte das Beste möglichst gratis. Und jetzt kommts: Da der Einzelne dank der ständigen Höherentwicklung der Menschheit nicht mehr fähig ist, selbst auszuwählen, erledigt das der Markt für ihn. Die Kunden können sich freiwillig eines der beworbenen Produkte aussuchen.

    Musiker (und andere Künstler) stehen bei dem ganzen Prozess eigentlich nur im Weg herum. Die haben blöderweise eine eigene Meinung und womöglich auch noch dazu handwerkliche Fähigkeiten. Die behaupten doch glatt, Gutes von Schlechtem unterscheiden zu können! SO kann man natürlich nichts verkaufen. Man muß den Leuten geben, was sie wollen, und sie wollen, was der Markt ihnen gibt und der Markt gibt ihnen, was billig zu produzieren und teuer zu verkaufen ist.

    Das wird eines Tages ein sehr böses Erwachen geben...

    Martin Schwarz

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  14. Die Diskussion ist freilich nicht neu und betrifft natürlich auch die Schriftstellerei. Hier sind meine Gedanken dazu - aber um es kurz zu machen: die wenigstens Autoren können von ihrer Schreiberei leben.

    http://1668cc.wordpress.com/2011/04/30/e-book_piraterie_mythos/

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  15. @Schilcher

    mir kommt vor als ob die zwei Industriezweige seit längerem auf Kollisionskurs sind. Vor allem wenn ich an Spiele wie TapTap, Guitar Hero, Rockband und die Unmengen an Musik-Apps denke (allen voran "I am T-Pain"). Dazu noch all die Spiele-Soundtracks von namhaften Musikern und Bands.

    Sobald Musik mehr zu Software wird, lassen sich einige Modelle umlegen, z.B. zusätzliche Levels kaufen, freies Basisprodukt. Das geht sicher nicht für alle Musik-Genres gleich gut. Für ein klassisches Band-Format wie Ja Panik liegt es zugegeben nicht unbedingt auf der Hand. Für viele Musiker die mit Internet großgeworden sind, ist der Gedanke den Hörer in die Musik miteinzubeziehen ganz natürlich.

    Ein paar Experimente mit neuen Geschäftsmodellen würden der Sache sicher nicht schaden. Die Musik selber verändert sich aber auch. Das Gitarrenband-Format a la Beatles harmoniert sehr gut mit dem industriellen Tonträger-Geschäftsmodell. Die geänderten Rahmenbedingungen begünstigen auch andere Formate. Sehr sympathisch machen das diese drei Damen: http://weareking.com/

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  16. Soundtracks werden für Games immer wichtiger, ganz richtig. Teilweise sind sie "part of the game" (Guitar Hero, Rockband, ...), ansonsten eben cooler Soundtrack, der auch beworben wird. Das "Zukauf-Modell" wird aber für die Musiker kaum funktionieren. Denn üblicherweise wird Musik einmal pauschal lizenziert, und das war's dann. Nur bekannte Größen werden differenzierte Lizenzverträge durchdrücken können.
    Dass solche Soundtracks (weniger bei Games, dafür mehr bei Filmen, Werbung, etc.) durchaus zu Erfolgen führen können, wissen wir alle.

    Aber auch das ist kein wirkliches Geschäftsmodell, weil zu wenig Platz. Die Möglichkeiten sind stark begrenzt.

    Experimentelle Geschäftsmodelle gibt es ja immer wieder. Siehe aktuell die Arctic Monkeys. Dummerweise scheint aber auch das immer nur für eh schon bekannte Leute aufzugehen. Denn der wenig bekannte Musiker wird sich das notwendige Marketing nicht leisten können und den ebenso notwendigen Medien-Hype nicht bekommen. Siehe Axel Wolph mit seinem Sound-Blog.
    Die angesprochenen Damen von King sind ja auch ein gutes Beispiel, dass die Freiwilligkeit einfach nur bei den ganz Großen funktioniert. Ganze fünf Donates finde ich wenig berauschend :)

    Es mag verführerisch klingen die Konsumenten Anteil am Schaffens- oder Auswahlprozeß nehmen zu lassen. Funktioniert vielleicht auch mit entsprechender Fan-Base. Wenn es aber mal alle machen, bleibt wieder nur die Spitze des Eisbergs überm Wasser, der Rest säuft einfach ab.

    Womit wir bei der generellen Kulturdebatte wären: Braucht jemand den Rest? Ist er überhaupt erhaltenswert? Ist er etwas WERT?

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  17. Sorry, meinte natürlich die Kaiser Chiefs und nicht die Arctic Monkeys :)

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  18. Danke für die lebhafte und spannende Diskussion hier. Und zum Thema passend gleich zwei Links, die mir heute untergekommen sind:
    http://www.thedailyswarm.com/headlines/universal-skips-ppl-begins-licensing-directly-lastfm/

    http://www.mediabiz.de/musik/news/spotify-will-binnen-zwoelf-monaten-50-millionen-us-nutzer-erreichen/307295

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  19. Mich würde interessieren, ob man als Musikschaffende/r (egal ob Label oder MusikerIn) nicht manchmal das seltsame Gefühl hat, dass hier mit Hilfe des eigenen Contents andere Leute sehr viel Geld - auch wenn es in der Hauptsache von Investoren kommt - machen und man selbst dabei nur sehr marginal mitnascht.
    Aber das würde man wohl schon aus strategischen Gründen nur den engsten und verschwiegensten Freunden erzählen ;-)

    Wobei das marginale Mitnaschen ja hier das Thema ist. Weiterführende Kritik an den "Rettern der Musikbranche" scheint jedoch derzeit nicht salonfähig zu sein. Dafür wird es wohl noch ein paar Jährchen brauchen, bis sich zwei oder drei marktbeherrschende und preisbestimmende (=drückende) Anbieter herauskristallisiert haben. So sie denn überleben, sprich die Investoren die Hoffnung auf einen lukrativen Börsengang nicht vorzeitig verlieren.

    Vielleicht jedoch löst sich alles in Wohlgefallen auf. Die Streaming-Dienste finden ein tolles und überlebensfähiges Geschäftsmodell und lassen selbstredend ihre Basis am Erfolg teilhaben. Es wäre zu wünschen, scheint mir zur Zeit aber eher ein schöner Wachtraum zu sein.

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  20. Pfuh, viel spannendes zu lesen hier, also eins nach dem anderen:
    @Hannes: Danke mal wieder für's Teilen deiner Sicht im Blög. Auch ich hab schon oft über die traurig-lächerlichen Abrechnungsbeträge von Last.fm & Co. staunen müssen.

    @Gerald Bäck: Nochmal zu den Raubritterpreisen, weil das kann man so einfach bitte nicht stehen lassen (bitte als Ergänzung von Martin Schwarz betrachten): Jeder arbeitende Mensch geht davon aus, dass er im Monat einen Betrag x verdienen muss, damit er davon leben kann. Jede Stunde, vielleicht sogar jede viertel Stunde, die davon gearbeitet wird, sind selbstverständlich als Arbeitszeit oder zumindest Zeitausgleich vergütet, Reisezeiten im besten Fall als Diäten verrechnet. Würde das so nicht funktionieren, würden viele Menschen - zu recht - auf die Barrikaden gehen. Schwenk zum Live-"Geschäft", eine kleine Zeit/Kosten-Bilanz zum Überblick (ich beschränke mich dafür auf den österreichischen Markt):
    Je nach Band verbringt man zur Vorbereitung einer neuen Show vielleicht 7 Tage im Proberaum (ein grober Richtwert), im Schnitt wohl etwa 4 Stunden. Danach geht's zum Konzert: Bus einräumen 30 Minuten, weiters etwa 90 Minuten für Ausräumen, Aufbau und Soundcheck, danach weitere 90 Minuten Show und wiederum 30 Minuten Abbau. Bilanz pro Abend: 240 Minuten = 4 Stunden reine messbare Arbeitszeit (Minimum!!!).
    Geht man jetzt davon aus, dass man eine Show in Österreich vielleicht 10 mal spielt, dann kann man die Probenzeit pro Abend auf 2,8 Stunden aufteilen. Hätten wir also einen Zeitaufwand von 6,8 Stunden pro Abend.
    Ich geh jetzt in die Realität und nehm I AM CEREALS als Rechenbeispiel her:
    6 Musiker
    2 Techniker
    2 Fahrzeuge
    Rechnet man den Zeitaufwand nun auf die 6 Musiker hoch, kommt man insgesamt auf 40,8 Stunden Arbeitsleistung pro Abend. Eine gute Gage für eine Band in der Größenordnung (also ein Act, bei dem zwischen 7 und 15 Euro Eintritt verlangt werden) beläuft sich auf sagen wir 1200 Euro, das ist allerdings schon eher Obergrenze in Österreich.
    Also:
    1200 Umsatz
    -300 Euro Techniker (150 pro Kopf -> Freundschaftspreis)
    -100 Euro Sprit (Untergrenze)
    -240 Euro Booking Fee (20%)
    -----
    560 Euro Gewinn für 6 Musiker, die im Schnitt 40,8 Stunden dafür gearbeitet haben, um auf der Bühne zu stehen. Kein auf hohem Niveau ausgebildeter Mensch (sei es Facharbeiter oder Akademiker) würde bei einem Stundensatz von 13,73 Euro von Raubrittertum reden, oder?
    Auch die Veranstalterseite ist kaum rosiger, hier muss der Betrieb erhalten werden, Übernachtungen gezahlt, Abgaben geleistet, etc.: Wenn man davon ausgeht, dass sich Band und Veranstalter jede verkaufte Karte gewinnmäßig teilen, dann bräuchte man 2400 Euro Umsatz, um auf eine Gage von 1200 Euro zu kommen. Das würde bei 15 Euro Eintritt 160 zahlende Menschen brauchen, bei 7 Euro sogar über 300. Da oft aber nicht mehr als 50-100 Menschen den Weg zu Konzerten finden, ist die Branche massiv von Förderungen abhängig, die aber in Krisenzeiten zu allererst gestrichen oder gekürzt werden.
    Also in meinen Augen hat das mit Raubrittertum wenig zu tun!

    Das alles schmälert nicht meine Lust am Musikmachen, am Weiterdenken, am kreativ nach neuen Wegen suchen. Es wäre allerdings schön, dabei das ohnehin wenige zu verdienende Geld nicht auch noch rechtfertigen und entschuldigen zu müssen!

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  21. Tut mir leid aber ich kann die gesammelte Argumentation hier nicht nachvollziehen. Wenn ich ein Unternehmen gründe und der Geschäftserfolg stellt sich nicht ein, dann hab ich eben Pech gehabt. Natürlich könnte ich nach dem Staat rufen oder meine innovativeren Mitbewerber verklagen, aber das wären nur Ausreden.

    Jetzt sind also die Steamingdienste schuld bis ein neuer Sündenbock gefunden wird. Die Argumentation erinnert mich an jene, der Bauernkammer, wollt ihr wirklich dorthin? Ich bezweifle übrigens dass die hier angeführten Bands auch nur einen Cent durch Spotify und Co verlieren, die hatten es schon immer schwer auch bevor das böse Internet alles kaputt gemacht hat.

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  22. Gerald, man kann das gar nicht zu Ende diskutieren. Ich bin sicher nicht die Bauernkammer; das Rad dreht sich hier viel viel schneller. Die Bauernkammer bejammert immer noch dass die Leute keine CDs verkaufen - hier geht es um ein Zukunftsmodell, das eigentlich eine gute Idee wäre, aber die Content-Provider (Musiker) werden nicht ausreichend ihrer Rolle wertgeschätzt und entschädigt. Der Musikmarkt ist seit jeher "unterkritisch", also nicht allein durch den Markt tragfähig. Wir bewegen uns in eine Spirale, bei der wir immer mehr von Förderungen, Mäzenen oder Zufällen abhängig werden. Rein nach marktwirtschafltichen Kriterien betrachtet müssten wir die ganze Industrie längst zugesperrt haben. (Und um auf die Bauernkammer zurückzukommen: Wie im übrigen auch die Landwirtschaft.) Auch keine Lösung. Ich bemühe mich redlich hier Missstände anzuprangern und kreative Lösungsmodelle gut zu heißen und zu fördern, mal sehen wie weit wir damit kommen.

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  23. @Gerald
    Lieber Gerald - auch ich möchte dazu kurz etwas sagen. Ich habe jahrelang in der musikbranche bei indie labels gearbeitet und bin seit einigen jahren bei mica - music austria dem musikinformationszentrum hier in österreich. deshalb habe ich tagtäglich mit musikschaffenden zu tun. acts, die man in österreich als erfolgreiche indie acts bezeichnen würde und von denen du wahrscheinlich die eine oder andere cd/platte zu hause hast. diese bands hatten es schon immer schwer, stimmt. in den letzten jahren aber um vieles schwerer - und natürlich verlieren u2 & co mehr geld. aber viel von wahnsinnig viel reicht zum überleben. und die hälfte von wenig ist dann evtl. ZU wenig um genug zeit und wille zur selbstausbeutung zu haben um das nächste album einzuspielen ...

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  24. ok die last.fm share sind echt lachhaft, aber so schlecht find ich die spotify shares zb gar nicht va wenn man bedenkt dass es nur in ein paar ländern verfügbar ist.
    ich denke wenn man so einen dienst weltweit zu diesen shares verfügbar macht könnte das als geschäftsmodell auch für label/künstler funktionieren....im endeffekt läufts wie bei vielen sachen darauf hinaus dass es ein neues urheberrecht geben muss...

    also richtwert für faire streaming shares fände ich es zb gut wenn man die shares so bewertet wie etwa radiotantiemen die nach reichweite gestaffelt sind...

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  25. @Rainer ich seh da keinen Unterschied zu jedem klassischen startup. 90% scheitern dort ebenfalls und leben meist von Selbstausbeutung. Aber nochmal meine Frage, die Bands von denen Du schreibt, verlieren wieviel durch Spotify?

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  26. @Gerald Bäck: Musik ist doch eigentlich Kunst. Ich habe bisher beinahe 3/4 meines Lebens geübt, um gute Musik machen zu können und übe noch weiter, weil es immer noch was zu üben gibt. Ein Musiker ist nicht nach irgendeiner fünfjährigen Ausbildung "fertig" und kann ein "Geschäft" gründen.
    Wenn man Musik aufs Geschäftliche reduziert, kommt das heraus, was man heute im Mainstream hört und übermorgen schon vergessen hat, weil es zu vergessen ist.
    Die geschäftliche Frage müsste doch eigentlich sein: wie kann sichergestellt werden, dass die beste Musik zu einem sinnvollen Preis hergestellt werden kann. Heute erzeugt man das billigstmögliche Etwas und verkauft es dann mit einem irren Werbeaufwand als Musik. Richtige Musiker haben einfach das Nachsehen, weil es ihnen um Qualität vor Quantität geht.
    Noch eine blöde Tatsache: Musikgenies bräuchten Marketinggenies, aber Marketinggenies können als solche genausogut irgendeinen Dreck vermarkten...

    Martin Schwarz

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  27. @Gerald: ich wiederhole nur, einmal mehr - YouTube... (siehe oben) Wie soll ein (produktbasiertes) Geschäftsmodell, das (zumindest) auf Mikro-Erträge ausgerichtet ist, mit einem Gratis-"Geschäftsmodell" in Konkurrenz treten? Ok, jetzt kommt wieder der Vergleich mit dem Wasser, das (zumindest in Österreich) in bester Qualität aus der Wasserleitung rinnt. Und den Trink- und Mineralwasser-Abpackern, die ihr Zeug trotzdem in die Regale stellen und es in Massen verkaufen. Ja, könnte ein Hinweis sein. Luxus mit Distinktionsgewinn. Eventuell auch nur Kohlensäure-Bobo-Blasen.

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  28. @gerald deine argumentation ist schon kurz gedacht. musik ist auch kunst, der staat hat hier einen anderen auftrag als im normalen raubtierkapitalismus. musik, speziell popmusik, muss natürlich auch wirtschaftlich funktionieren, aber ein staat schafft mit gesetzen günstige oder wenige günstige rahmenbedingungen. zum glück setzt sich langsam die idee durch, dass man auch in diesem bereich einen kulturauftrag hat bzw wirtschafts- und standortförderung betreiben muss. essenziell beides.

    ein schlichtes "pech gehabt" ist zynisch. musik, autos und agentur-biznis sind dinge, die man nicht gleich behandeln kann. wenns danach gehen würde, gäbs zb keinen österr. film. neben popmusik ja auch so eine sache an der schnittmenge zw kunst und produkt.

    und ja, labels verlieren durch spotify etwas, genauso wie jmd, der sein haus deutlich unter wert verkaufen muss, etwas verliert. an all dem verdienen va die provider und gerätehersteller. und die geben den taktschlag vor.

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  29. Aus meiner Sicht eine sehr lustige Diskussion. Man mag es kaum glauben, aber ich sitze gerade über einem Business Case für einen Streaming Musik Dienst in Österreich...

    Meine Sicht der Dinge ist sehr ähnlich wie jene von Gerald. Wenn ich mich als Musiker/Unternehmer beschäftige, dann bin ich selbst für meinen Erfolg verantwortlich und man sollte sich nicht zum wiederholten Male auf andere hinaus reden. Es würde jedem frei stehen seinen Job als Musiker einzustellen oder gar nicht erst anzufangen.

    Ich kann euch vergewissern, dass die Streaming-Dienstanbieter nicht diejenigen sind, die den Musikern Geld wegnehmen. Die verdienen nämlich selbst alle nichts!! Keiner der angeführten Dienste mach hier einen Gewinn (Spotify, last.fm, simfy,...). Die verbrennen momentan alle fleissig Investorengelder, mehr nicht. Und die Investorengelder gehen erst wieder in die Taschen der Musikwirtschaft, sie kommen nur nicht mehr 1:1 bei den Künstlern an.

    Wo liegt also das wahre Problem? Die Nutzer wollen nicht mehr für Musik bezahlen bzw. nicht soviel wie Musiker gerne hätten, dass dafür bezahlt wird. Substitute wie illegale Downloads oder Youtube haben das verschärft, aber das Grundproblem ist, dass eben ein viel zu geringer %-Satz ein Premium-Produkt um 10€/Monat kaufen würde.

    Tja, und damit hat Musik ein Problem wie jedes andere Produkt auch. Wenn die Nachfrage nicht mehr da ist, aber Angebot im Überfluss, dann fällt der erzielbare Preis.

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  30. Hallo Martin,
    danke für den Beitrag - endlich kommen wir der Sache näher, denn ich weiß natürlich von mir bestens bekannten Personen bei Simfy oder last.fm, dass es denen auch nicht sonderlich super geht. Darum schreie ich jetzt auf, hoffe inständig, dass die Streaming-Dienste funktionieren, und sie sich dann nicht auf ihre Investoren und Stakeholder ausreden, sondern für faire Verhältnisse sorgen und nicht auf Kosten ihrer Content-Lieferanten Kohle scheffeln. Es sollen da ruhig alle ihren fair share bekommen. Aber eben auch die Musiker.

    Wo ich nicht mit kann ist die Angebot-Nachfrage-Debatte, weil die bei Kulturgütern (Stefan Niederwieser führte oben zurecht Film als Beispiel an) nicht greifen kann. Weil wir sonst nur mehr Lady Gaga haben und nur mehr Transformers. Ich hätt aber schon auch ganz gern anderes Zeux auf Leinwand und mp3-Player.

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  31. Dann frage ich mich, warum es überhaupt so selbstlose Menschen gibt, die Business Cases für nicht tragfähige Unternehmen in Auftrag geben?

    Überspitzt formuliert: Man gründet Unternehmen, die nur funktionieren können, weil 1. mit fremdem Geld (wobei beispielsweise Geld durch departure o.ä. auch mein Geld wäre) gewirtschaftet wird, und 2. der eigentliche Inhalt kaum bezahlt wird.
    Und selbst das scheint nicht zu funktionieren. Warum tut man sich das an? Weil wiederum 1. man ein nettes Gehalt bezieht (als Gründer oder im oberen Management) und 2. darauf hofft, das Ding irgendwann höchst gewinnbringend verscherbeln zu können.

    Die Frage, ob die Leute, die durch ihren Content das alles erst möglich gemacht haben, im Falle eines Glücksverkaufs am Gewinn partizipieren werden, beantwortet sich von selbst.

    Aus rein kapitalistischer Sicht durchaus gerechtfertigt. Kaufe möglichst günstig ein und maximiere den eigenen Gewinn. Im Optimalfall schafft man zusätzlich Marktgegebenheiten, die den Produzenten zwingen sein Produkt zu jedem Preis zu verkaufen. Was mit den CDs ja bereits passiert ist und mit Downloads sowie Streams nur mehr eine Frage der Zeit ist.

    Die Frage für mich ist, ob die Streaming-Dienste bereits eine solche Situation geschaffen haben. Sprich, muss man dabei sein um jeden Preis. Kann man sich überhaupt noch verweigern?

    Musik, die es nicht schafft, genügend Geld zum Überleben zu verdienen, hat keine Existenzberechtigung? Bravo, dann bitte aber auch konsequent Staatsoper, Burgtheater, Seebühnen, Arena, Posthof, Probelokale für Blasmusikkapellen, Musikschulen uvm. zusperren.
    Weg mit den nutzlosen Landestheatern, Literaturhäusern, Programmkinos, Kulturvereinen und so fort.

    Wer Kultur nur nach ökonomischen Kriterien misst, landet irgendwann unweigerlich bei Andy Borg oder Lady Gaga. Wobei die Lady das kleinere Übel wäre und gar nicht so schlecht ist, wie alle tun (müssen?). Willkommen im Kulturkapitalismus.
    Warum übrigens ausgerechnet Popmusik wirtschaftlich funktionieren muss, erschließt sich mir nicht. Ist sie nicht Teil der Allgemeinkultur und daher - in den Anfängen - nicht förderungswürdig?

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  32. Ich gebe Hans Schilcher recht. Zumindest partiell. Ein Business Case für ein aussichtloses Unternehmen ("Die verdienen nämlich selbst alle nichts!") ist entweder a) angewandter Dadaismus b) offensives Sich-selbst-in-den-Sack-Lügen (und seine Kunden und Investoren dazu) oder c) ein Startup-Börsen-Pyramidenspiel.

    Trotzdem können Streaming-Dienste Zukunft haben. Eine glänzende dazu. Als eine Art Hyper-Archiv und Jukebox-Radio. Aber ohne damit verbundene Flatrate-Incomes - entweder auf freiwilliger oder sanft staatlich verordneter Basis - bleibt absehbar weder etwas für die Betreiber oder die Künstler. Das YouTube-Gratis-Modell hebelt derzeit alle Alternativen aus... Da finde ich Apple, bei allen möglichen Einwänden, einmal mehr gewitzter und eleganter: http://groebchen.wordpress.com/2011/06/11/wolkenkuckucksheim-2/

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  33. Aber auch Martin Pansy hat recht, zumindest partiell. "Wenn die Nachfrage nicht (mehr) da ist, aber Angebot im Überfluss, dann fällt der erzielbare Preis." Das gilt für das Musikangebot grosso modo. Überfluss allerorten. Daraus resultierend nicht selten Überdruss. Und natürlich gibt es keine Garantie auf ein Grundeinkommen für MusikerInnen in einem schrumpfenden und/oder (wie in Ö) immer schon überschaubaren Markt. ABER: das ist der Status Quo, der Ausgangspunkt - wo bleiben die weiterführenden Überlegungen? Und, nein, die "Ökonomie der Aufmerksamkeit" ist keine Lösung mit akzeptabler Breitenwirkung.

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  34. Ich muss vielleicht meine Aussagen zum Business Case bzw. Geschäftsmodell konkretisieren. Was in der Diskussion noch fehlt ist der Faktor Zeit. Sprich, die Geschäftsmodelle benötigen eine enorme Verbreitung damit sie profitabel werden. Das technische Produkt ist im wesentlichen das selbe bei Streamingdiensten, daher erfolgt eine Differenzierung der Anbieter ausschließlich durch Verbreitung. Und den Break-Even Point hat man eben bei (Hausnummer) 100.000 Premium Subscribern. Noch dazu entsteht durch die mangelnde Differenzierung unter den Anbietern ein "winner-takes-it-all" Modell, wo am Ende des Tages der Größte Anbieter sämtliche Gewinne einstreicht und die anderen bleiben am Weg. Die Unternehmen investieren jetzt genau mit dem Ziel rasch die mögliche Größe zu erreichen und damit in die Gewinnzone zu kommen. Wirtschaftlich ein ganz normales Bild und das gab es schon in vielen anderen Branchen auch. Das hat aber nichts mit Sinnlosigkeit, Dadaismus oder selbstloser Bereicherung zu tun, sondern ist eine Wette, ob man es schafft oder nicht (und jedes wirtschaftliche Vorhaben ist eine Wette, denn ohne Risiko gibts nichts).

    Der Streamingdienstanbieter ist wie ein Supermarkt der Musik zu sehen. Er hat eine Einrichtung (Plattform) auf der er Produkte von anderen Herstellern (Musikern) an Endkunden verkauft. Fakt ist, dass Billa & Spar mehr von einer Packung Milch bekommen als der Streamingdienst von der Musik (ich weiß es). Das sollte in der Diskussion zu denken geben.

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  35. Die Frage ist wie man Wert schaffen kann mit einer Ware die mittlerweile alle gewohnt sind umsonst zu bekommen? Als Anbieter der Hardware, den Inhalten, und dem passenden Service dazu aus einer Hand hat Apple scheinbar eine Lösung gefunden. Es gibt sicher auch noch andere.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass Spotify momentan mehr für Anwälte die die Deals aushandeln ausgibt, als sie einnehmen. Schön wäre ein Umverteilung von da in Richtung Musikschaffende. Der ganze Rechte-Dickicht ist für neue Ideen und Ansätze überhaupt undurchlässig.

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  36. zuerst einmal, danke für diese interessante und vor allem auch fundierte Diskussion. lange überfällig. Merci !
    Für mich als ein Knackpunkt der Misere ausschlaggebend, der Qualitätsverlust in der Musik ausgehend vom Überangebot. Mittelmaß wohin das Auge blickt. ich sprache hier von Deutschland, als Markt in dem ich lebe und arbeite.
    Mittelmaß im Tv, im kino, bei den Printmedien und in der Musik. ich bin fest davon überzeugt, das sich ausserordentliche Kunst Duchsetzten wird, weil Menschen instinktiv spüren, ob etwas wirklich Qualität hat und besonders ist. das Problem ist nur, was man den potentiellen käufern an neuen Künstlern vorsetzt, ist oft reines Format, ganz okay aber eben auch irgendwie elanglos.ich spreche hier von Deutschland wohlgemerkt. die nachfrage für aussergewöhnliches, berührendes oder spektakuläres ist aber nach wie vor da. mein lieblingsbeispiel ist in diesem Kontext die Film und Tv Industrie hierzulande. deutsches Tv ist, vor allem, was die Privaten angeht, unterirdisch und an Mittelmass kaum zu überbieten. das es auch anders geht, zeigen vor allem das Tc in Uk, usa und Canada. die kommen mit einer grandiose, progressiven TV Serie nach der anderen um die Ecke. hier gibts Dienst nach Vorschrift, oder grauenvoll synchronisierte Einkäufe aus besagten Ländern. Ergo, ich habe vor 8 Jahren meinem Tv abgeschafft und schaue ausser Neues aus der Anstalt, fussball und Arte gar nichts mehr. und bin auf dvds und kostenlose streaming servisse umgestuegen. und bevor hier gleich einer anfängt zu argumentieren, bisher gibt es in D kein einziges kommerzielles Bezahlmodell was streams angeht, für ganz Europa nicht. Netflix, z.B. Fehlanzeige. Ergo, es passiert genau das Gleiche wie in der Musikbranche, Konsumenten suchen sich Wege an die Inhalte zu kommen, die sie wirklich konsumieren wollen.
    Womit wir wieder bei meiner Kwrnaussage wären Content is King!
    Für Mittelmaß will keiner zahlen, zu Recht. weder im Film noch im Tv, noch in der Literatur noch in der Musik!
    ein wunderbares Beispiel für meibe These ist die dreiteilige Online Serie Dr. Horrible'S Sing-Along-Blog, nur im Netz promoted, war frei und via itunes bezahl download erhältlich und was ist passiert, die Keute gaben bezahlt ! weil der Inhalt einfach witzig, besonders und speziell war. und das Millionenfach. das Ding haben 10 Mio leute angeschaut. der produzent hat das Ding auf eigene Kosten produziert, promo nur über einige fanseite und my space. das Ding war so erfolgreich, das es in den Usa, uk, australien, canada und Frankfreich auf platz 1 der download Charts war. ein grosser Teil des Erfolges, auch des wirtschaftluchen, kam durch die Fans selbst, man sprach darüber, weil es GUT ist. Eben kein Mittelmaß. und ganz wichtig, der Anbieter produziert das Produkt was die Fans WOLLTEN. alle wollten das Ding suf dvd, sie wurde produziert und war erfolgreich, die fragte nach dem Soundtrack, nach Merch etc, die anbieter haben es produziert. Hier liegt meiner Meinung nach der nächste entscheidende Punkt, wer von den professionellen Anbietern in der Musik redet denn überhaupt mit seinen Kunden? meiner Meinung nach plant ein Großteil der Industrie einfach am Kunden vorbei und wundet sich dann, das Umsätze ausbleiben. selbst schuld. ebenfalls erwähnenswert ist die zum haarsträubende Fehleinschätzung der Bands, Schriftsteller, Film-und Tv Macher.
    Nur weil ich Gitarre spielen und ne Strophe geradeaus singen kann, heisst das nochnlange nicht, das ich das auch professionell betreiben kann. 90% sind und bleiben Durchschnitt und sollten das als Hobby betreiben. ich empfinde das als Anmasdung, das jeder Wald- und Wiesen Künstler seit einigen Jahren ernsthaft glaubt, Karriere machen zu müssen!

    denn am Ende zählt der Inhalt

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