Mittwoch, 7. September 2011

Raus hier!

Wer sich ein klein wenig mit Musik und seiner wirtschaftlichen Seite auseinandersetzt, der kennt die Tonnen an Sprichworten, Vergleichen und Sagern, die die Wichtigkeit des Exports nahe legen. Nicht nur ehemalige Minister wissen: Austria is a too small country.

Die Rahmenbedingungen, insbesondere für einigermaßen zeitgenössische Populärmusik in Österreich, sind nicht per se schlecht; der Markt aber ist mit seinem Zustand und seiner Größe dennoch nicht sonderlich tragfähig – also nix wie raus! Bloß wie?

Auch in der Musik hat die Globalisierung längst Einzug gehalten. Die Digitalisierung hat zudem diesen globalen Markt mit Unmengen an vielfältigsten Produktionen überschwemmt. Das Exportieren an sich ist also einerseits einfacher geworden, das erfolgreiche Positionieren in einem „fremden“ Markt aber durchaus schwieriger.

So klein die Rolle der Nationalität mittlerweile dabei geworden ist, so gilt „aus Österreich hinaus“ arbeiten aus vielen Gründen als nicht besonders attraktiv oder zielführend für Künstler: Die gefühlte Reputation der österreichischen „Musikarbeiter“ hält nicht mit jenen der bekannten internationalen Konkurrenz mit, die Kontakte sind auf bescheidenem Niveau, man wird nicht besonders ernst genommen, es gibt kaum Vorbilder. Das Level an Professionalismus ist vergleichsweise gering, Lücken tun sich beispielsweise im Bereich Management auf. Und all diese Klischees und Argumente bewegen sich in einem einander bedienenden Teufelskreis.

Aus der Perspektive des mit Künstlern arbeitenden Musikwirtschafters gilt es also, genau hier anzusetzen, den Kreis zu durchbrechen und nach mehr zu streben. In den letzten Jahren hat sowohl auf künstlerischer wie auf wirtschaftlicher Ebene längst ein Aufholprozess eingesetzt – nicht von ungefähr sind bei hiesigen Labels (zB schoenwetter, SeaYou) Künstler aus England, den USA, Frankreich oder Schweden unter Vertrag. Luft nach oben ist dennoch reichlich vorhanden.

Der Schlüssel besteht aus den Bausteinen Selbstbewusstsein, Vernetzung, Kooperation und Geld – bestenfalls in genau dieser Reihenfolge. Wer diesen Schlüssel mit einer Portion Cleverness benutzt, sperrt unverhofft viele Türen auf.

Wie sieht der Bauplan dazu aus?

Eins: Selbstbewusstsein.
Wen interessiert, das Österreich ein kleines Land ist? Dieses Land hatte Mozart und Falco. Beide Seiten der Klischeemedaille kann man getrost einmotten, wenn man ein gutes „Produkt“ hat, mit dessen Qualität man sich auch auf internationaler Ebene nicht verstecken muss. Es ist herzeigbar? Zeig es her! Ich besuche pro Jahr viele einschlägige Länder- und Exportveranstaltungen - und ehrlich: Kaum ein Land hat eine derart vitale, bunte, qualitative und dichte Musikszene wie Österreich. Das Potential verpufft nur allzuoft ungenutzt (mit zum Beispiel eingangs erwähnter „Ausrede“).

Zwei: Vernetzung.
Man wird nicht gleich zum Chef der größten Plattenfirma der Welt laufen können, aber jeder Kontakt von heute kann morgen wichtig sein. Musik ist ein Peoples Business, und sowas geht selten schnell. Vernetzung ist ein nie fertig gestelltes Puzzle, aber jeder Teil macht das Bild vollständiger. Hat man Punkt 1 erfüllt und Qualität, ist das zudem das beste Öl für den Motor Vernetzung. Die zur Verfügung stehenden Tools sind mannigfaltig: Festivals, Konferenzen, Messen, Austauschprogramme, Informationsabende… überall trifft man Leute, und umso interessanter (und interessierter) man selber ist, umso interessanter sind die Leute, mit denen man zu tun hat.

Drei : Kooperation und Offenheit.
Ich bin ein leidenschaftlicher Verfechter des Prinzips Offenheit. Paradebeispiel: Wenn alle nur exportieren wollen, wem genau verkaufen sie eigentlich ihre Ware? Irgendjemand muss auf der anderen Seite stehen und das Produkt auch importieren. Offenheit heißt voneinander zu lernen und zusammen zu arbeiten, sich auszutauschen und zu ergänzen – und das bedeutet weiter zu kommen, Neues zu schaffen. Mit Offenheit kann selbst der Chef noch von seinem Praktikanten lernen und spielt sich das Musikwirtschaftsspiel bis hin zur internationalen Ebene leichter und vor allem interessanter.

Vier : Geld.
Füge den Teilen eins bis drei besagte Cleverness hinzu und überzeuge mit einer innovativen Idee die Leute von www.departure.at. Viel Glück.

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Dieser Text wurde als Beitrag für den departure.blog im Rahmen des "Focus Musik" verfasst und unter blog.departure.at veröffentlicht.
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