Dienstag, 31. Dezember 2013

Das Jahr 2013.

First things first: 2013 war ein gutes Jahr. Ich kann mich auf die Schnelle gar nicht mehr erinnern, wann ich mich das das letzte Mal so pauschal habe sagen hören. Natürlich gab es Ups & Downs, Ärgernisse, Niederlagen und Enttäuschungen - aber hey, wollen wir nicht unbescheiden sein.

Wir leben angesichts des Weltzustandes immer noch in einer überraschend friedlichen Umgebung und Zeit. Der neue Papst ist tatsächlich ein Mensch, der alte hat mit seinem Rücktritt bewiesen, dass er auch einer sein möchte. Im Iran gibt es tatsächlich einen gemäßigten Präsidenten. Menschen mit außergewöhnlicher Courage werden tatsächlich mindestens so gefeiert wie verfolgt. Als Österreicher haben wir zum ersten Mal seit Äonen wieder ein halbwegs anständiges Fußball-Nationalteam samt entsprechendem Trainer und angeführt von einem waschechten Weltstar. Dazu waren gleich zwei Oscar-Preisträger zu bejubeln. Eine jungliberale Partei hat das BZÖ im Parlament ersetzt. Frank Stronach, Kathrin Nachbaur und Monika Lindner gaben uns zu Lachen und zu Weinen. Es könnte alles viel schlimmer sein.

Andererseits. Wir werden von Geheimdiensten überwacht und wissen es nun dank Edward Snowden auch (Hallo NSA!). Es toben Bürgerkriege in Gegenden, in denen Österreichs UN-Abordnung just dann den "Friedensdienst" quittiert, wenn es brenzlig wird. Überhaupt, Österreich: Wo die Mehrheit der Bevölkerung zum Erhalt des Zivildienstes die Wehrpflicht per Volksabstimmung gut heißt. Wo es zwar kein Budgetloch gibt, aber die Einnahmen und Ausgaben auseinanderdriften. Wo das Mittelmaß ein verfassungsrechtlich verankertes Regierungsprinzip zu sein scheint. Wo Visionsfreiheit herrscht und dem Wort "pragmatisch" eine völlig neue, politische Dimension verliehen wird. Man darf sich also auch 2013 noch genug über den Menschen, insbesondere den Homo Austriacus, wundern.

Sonst? Serien lösen das Kino endgültig ab, weil sie spannender und vielfältiger erzählen können und mit hohem Aufwand für ein Millionenpublikum produziert werden. (Meine) Musterbeispiele sind hierbei House of Cards, Game of Thrones oder das heuer zu Ende gegangene Breaking Bad. Alles sprichwörtlich Großes Kino auf kleinem Bildschirm.

Und wie könnte man einem Popjahr böse sein, das "Get Lucky" als Konsens-Nummer 1 abwirft? Seit etwas mehr als einem Jahr trage ich die Prophezeiung vor mir her, dass die Virtuosität des Jazz eine bestimmende Kraft in der Musik der näheren Zukunft werden wird. Daft Punk waren - glaubt selber was ihr wollt - das endgültige Startsignal in diese Richtung. Ein bisschen Rumhüpfen am Ableton-Add-On reicht nicht. Überhaupt hab ich mich ein bisschen mit Pop versöhnt. Ich mag "Blurred Lines" - man muss nicht immer alles bierernst zu Tode analysieren, um einen großartig leichtfüßigen Ohrwurm zu vergiften. Ich find "Royals" klasse, weil ich gelernt habe, den Hype dort zu ignorieren, wo mich die Musik tatsächlich erreicht. Meiner bestehenden Hipster-alle-finden-das-super-also-musst-du-auch-Allergie zum Trotz. Ich hab über Miley Cyrus geschmunzelt. Been there, done that - alles schon mal gesehen; es sei der Hannah-Montana-Generation vergönnt, das auch zu erleben. Hallelujah, ich fand Madonna als 12jähriger in "Express Yourself" auch aufregend. Auch klar, dass ich es mögen muss, wenn mein Allzeit-Held James Murphy mit meinen Allzeit-Helden Arcade Fire werkelt (kaum wo schöner zu hören als in "Here Comes The Night Time"). Und zuguterletzt kann ich mir nicht verkneifen, einiges an aufgehender eigener Saat im Jahr 2013 zu erkennen, auch wenn sich der direkte persönliche Beitrag in der Gegenwart (etwa bei SOHN oder Bilderbuch) da und dort auf ein ausgesprochen bescheidenes Maß reduziert hat.

Vielleicht ist 2013 also auch nur das Jahr, wo in mir die Einsicht überhand genommen hat, dass das Zurkenntnisnehmen (meist: mit einem Lächeln) allemal besser ist, als auch kleine Dinge zu skandalisieren oder zu dramatisieren. Vielleicht habe ich aber gerade auch nur einen guten Zeitpunkt erwischt, um einen solchen Blick zurück zu werfen.

Persönlich wie beruflich war 2012 ein dermaßen schwieriges Jahr für mich, dass es 2013 fast nur besser werden konnte. Mir war aber klar, dass das nicht von selbst passieren würde. In der Tat konnte ich Früchte vor allem dort ernten, wo ich imstande war, durchdachte Vorhaben auch wirklich umzusetzen. Naturgemäß gelingt das nicht immer und überall. Das Schwierigste dabei war (und ist), sich damit abzufinden, nur kleine Schritte setzen zu können und das große Ganze trotzdem nicht aus den Augen zu verlieren. Weit von Perfektion und wahnsinniger Zufriedenheit entfernt bin ich deshalb trotzdem - wie eh und je. Von Bedeutung ist daher vor allem das Gefühl, das ließe Raum für ein Weiterführen, Vertiefen und Intensivieren mancher solcher Vorhaben.

Stand für mich 2013 mein Jahresmotto "Zurück in die Zukunft" programmatisch für ein sorgsam geplantes Umdrehen negativer Entwicklungen, so werde ich mich in einem Jahr um diese Zeit an der mutigen Vorgabe "reduce to the max" messen dürfen. Unter diesem Jahresmotto für 2014 lassen sich eine ganze Reihe "Neujahrsvorsätze" für 2014 ebenso wie Erkenntnisse aus 2013 subsumieren . Für mich steckt darin auch die Anerkennung des Faktums, dass nur in der permanenten Veränderung eine Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung steckt.

In diesem Sinne: Gutes Rutschen, happy 2014.
Möge es ein Jahr sein, an dessen Ende wir sagen können: Es war ein gutes.

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