Es ist eine einfache Weisheit: Was man nicht weiß, muss man glauben.
Glauben, zum Beispiel an Gott, ist so etwas. Wir wissen nicht, ob oder dass es ihn gibt. Man kann es schlichtweg nicht beweisen. Also „muss“ man es glauben (oder eben auch nicht). Um auf die Eingangsweisheit zurückzukommen: Früher „wussten“ die Leute, dass die Erde eine Scheibe ist, der Himmel war oben, die Hölle unten. Weil Gott etwas „Höheres“ sein musste, war er natürlich oben - im Himmel.
Im Lauf der Jahrtausende der Menschheitsgeschichte hat sich dieses Bild etwas relativiert und es wäre vermessen, zu behaupten, es würde sich die nächsten hundert Jahre nicht verändern. Was „wissen“ wir schon? Jetzt sind wir zwar von der Glaubensgesellschaft hin zu einer Wissensgesellschaft unterwegs, in Wirklichkeit sind wir aber von zweiterem auch noch weit entfernt. Und wer weiß, dass er nichts weiß, der weiß im Grunde genommen schon sehr viel (das „wusste“ schon Sokrates).
Und in vielen Fällen spielt uns unser Kopf dann einen Streich, weil er den Mix aus Rationalität und „Glauben“ nicht zu verarbeiten weiß: Warum hat Gott sie aus dem Leben gerissen? Warum hat er sie zu sich geholt? Warum schon jetzt? Wenn er ein gerechter Gott ist, warum tut er das? Ist er dann gerecht? Gibt es ihn dann überhaupt?
Und spätestens hier stellt das Nicht-Wissen das Glauben vielfach in Frage. Denn wüssten wir eine Antwort auf diese Fragen, viele würden sie einfach nicht… glauben.
Gerade in diesem Fall weiß ich aber: es geht gar nicht um die Antwort. Wir Menschen sind Geschöpfe, die genug im Kasten haben, um – wenn wir das wollen – auch zu wissen: Wir brauchen dieses Paradies vielleicht gar nicht. Wir können das selber basteln - und tun das vielleicht auch; und zwar genau dort, wo wir auch sonst „glauben“: im Kopf, in der Seele, im Herzen (und vielleicht, wer „weiß“ das schon, hat uns dieser Gott-Typ diese Fähigkeit aus seinem Setzbaukasten zugeschanzt).
Was man im Herzen trägt, kann nicht sterben.