Montag, 3. August 2009

Festivalfail, Fass und Boden.

Bis gerade eben war ich diplomatisch, zurückhaltend und vorsichtig, was das "Indie Project Festival" betrifft. Jetzt fühle ich mich aber doch bemüßigt, ein Statement dazu abzugeben. Das Festival, für 1. August in der Ottakringer Brauerei angesetzt, musste wegen akuten Geldmangels (die Technikfirma konnte nicht bezahlt werden) mittendrin - gegen 23 Uhr - abgebrochen werden. Einige Bands mussten daraufhin ebenso unverrichteter Dinge nachhause gehen wie die (wenigen) zahlenden Gäste.

Jetzt äußert sich Veranstalter Peter Görbert in einem Interview auf Youtube über die Vorkommnisse und die Zukunft - und das schlägt dem Fass endgültig den Boden aus: http://www.youtube.com/watch?v=3N_Cra5iSxM

Zur Erinnerung die Vorgeschichte (ikoon hat sie in seinem blog chronologisch sehr schön und detailreicher aufgeführt):

Ein deutscher Student in Wien kündigt ein "völlig neuartiges Festival" für 10.000 Besucher in der Ottakringer Brauerei an, als Headliner sind Kings Of Leon und Phoenix versprochen. Dazu werden österreichische Acts engagiert. Wenig überraschend entpuppen sich die internationalen Gäste rasch als Seifenblasen - aber zumindest ist das Festival Stadtgespräch.

Peter Görbert war bislang noch nicht einmal als Veranstalter einer Geburtstagsfeier aufgefallen, er hatte euphorisiert und naiv drauflosgewerkt und sämtliche Spielregeln des Geschäfts mangels Kenntnis schlichtweg missachtet. Was ihm sichtlich fehlte, war Szenebindung, Kenntnis organisatorischer, infrastruktureller und sonstiger für die Abwicklung solch eines Events notwendigen Dinge - nunja, man soll niemandem seine Chancen verwehren. Und schließlich war seine Referenz gerade einmal eine Kellnertätigkeit im Münchner P1.

Das Festival wird trotzdem mit Pomp und Trara auf gotv und anderen Plattformen eifrig beworben. Er selbst gibt sich betont optimistisch im Vorfeld - und gibt beim obligaten Ticket Report drei Wochen vor dem Event 1.200 verkaufte Tickets an. Selbst am Tag vor der Veranstaltung spricht er stolz vom "überraschenden Verlauf des Vorverkaufs" und dass 1.700 Tickets verkauft seien. Die Verwunderung darüber wird unsererseits begleitet von Faktoren wie jenem, dass vereinbarte Vorkassen für Gagen der Bands trotzdem entweder unvollständig oder gar nicht kommen. Versuche, die Hintergründe dazu zu eruieren (fehlgeleitete Überweisungen sollen ja schon passiert sein), scheitern; ebenso bleiben versprochene Überweisungsbestätigungen aus.

Dass das Festival selbst ein solch ein Desaster wird und samt Belegschaft keine 300 Personen anwesend sind (was eher zu erwarten war); die Technikfirma auf halbem Weg den Strom abdreht und aufgrund der Abendkassa selbstverständlich keine Gagen ausbezahlt werden konnten ist das eine. Auf der anderen Seite den "Schummeleien" von vorher noch dermaßen dreiste Lügen nachzuschieben ist das andere.

Also. Fakten:
Es wurden trotz Verträgen und am Abend ausgefertigter schriftlicher Zusicherungen bis heute KEINE der ausstehenden Zahlungen getätigt. Es trafen weder Geld noch Überweisungsbestätigungen seitens Peter Görbert ein. Es wurde zahlendes Publikum (Vorverkauf 22, Abendkassa 13 Euro!) um Auftritte von Junior Boys und anderen gebracht - und nicht dafür entschädigt. Es wurde Bier um 2 Euro angekündigt und um 3,60 Euro ausgeschenkt. Es wurde nachhaltig schlechte Nachrede für den Musikstandort Wien und seine Szene erzeugt.

Ich bin seit 14 Jahren in Musikveranstaltungen involviert, habe viel erleben dürfen, können und müssen - das "Indie Project" wird wohl auf längere Sicht das in negativer Deutung bemerkenswerteste Ereignis dahingehend bleiben.

Peter Görbert mag als Veranstalter unerfahren, blauäugig und naiv gewesen sein - das könnte man ihm verzeihen und nachsehen; wir reden hier aber mittlerweile von nichts geringerem als Betrug - an Bands, Publikum, Zulieferern wie Technik- und Cateringfirmen und Agenturen. Er hatte seine faire Chance, missbrauchte das ihm entgegengebrachte Vertrauen aber aufs Massivste. Vor weiteren Versuchen, sich im Veranstaltungswesen zu tummeln (er spricht von einem erneuten Festivalversuch 2010) muss man also sämtliche potentiellen Partner und vor allem ihn selbst eindringlich warnen.

Die Presse