Montag, 23. Mai 2011

Das Spiegelbild in Hütteldorf.

Was Fußball mit Erdbeben und HC Strache gemeinsam haben kann - oder: Wie das Wiener Derby Österreich die grässliche Seite seines Spiegelbildes zeigt.

Nach dem Derby-Platzsturm in Hütteldorf hat Roman Mählich Österreich völlig zurecht in die geographische Nord-Süd-Verbindung Polen, Tschechiens und Länder Ex-Jugoslawiens gestellt - wo Hooliganismus größtenteils traurige Traditionen pflegen (können). "Westblock ist Ostblock" sozusagen. Alle waren schockiert, manche (Steffen Hofmann!) beeindruckend verängstigt, und es herrschte Einigkeit das "etwas getan" werden müsse.

Jetzt ist es wohl mindestens so notwendig wie billig, ausgerechnet das Derby und den generierten emotionalen Schockmoment als Anlass zu nehmen, alles eh schon gewusst zu haben. Nur: Die Aufschreie nach dem Fall Weimann (der blutjunge frühere Rapid-Kicker wurde bei seinem Gastspiel mit Aston Villa verletzt vom Feld getragen und auf der Trage liegend aus dem Westblock mit Gegenständen beworfen) waren etwa ebenso wenig laut genug wie die Konsequenzen daraus hart genug. Die rechtsradikalen Vorfälle bei der Wiener Austria (die gestern richtigerweise nicht auf Rapid mit dem Finger gezeigt hat, sondern das Problem als eines des gesamten Fußballs erkannt hat) waren vielleicht beherzt, aber auch noch bei weitem zu wenig ernst. Erst ein Live-TV-Spiel hat den Schockmoment in die Hirne der so lernresistenten Öffentlichkeit gebracht. Schauen wir mal, wie lang der Moment anhält.

Ich möchte hier aber nicht die Floskeln einer dummen Minderheit oder stupiden Radaumachern benutzen, sondern der Sache aus einem anderen Blickwinkel auf den Grund gehen - nämlich jenem der gesamtgesellschaftlichen Relevanz des Ereignisses und den dazugehörigen Hintergründen. Andy Marek, die "gute Seele" Rapids, hat von "frustrierten jungen Leuten" gesprochen - und er mag Recht haben.

Mit Frust ist es ja ein bisschen wie mit einem Erdbeben. Er sammelt sich an, wird mit oft kleinen Ereignissen gefährlich groß, um sich dann irgendwann völlig unkontrolliert zu entladen, vielleicht sogar einen Tsunami zu erzeugen. Nur ist der Misserfolg (s)einer Fußballmannschaft kein Grund für 9.0-Beben. Rapid ist auch nicht zum ersten Mal mit einem europacup- und titellosen Jahr konfrontiert.

Dahinter stecken soziale Probleme, vielleicht Dinge wie seinerzeit bei den Banlieu-Unruhen in Frankreich: Arbeitslosigkeit, Perspektivenlosigkeit, Fadesse, das Gefühl nichts zu sagen zu haben oder nichts mehr zur Verbesserung der eigenen Situation beitragen zu können, Verzweiflung. Fußball spielt hier als Ventil eine Nebenrolle. Was aber, wenn sich die alltäglichen Probleme im geliebten Sport repetieren? All das wiederum sind nicht nur Einzelprobleme, es sind auch welche der Gesellschaft, es sind welche von politischer Dimension, es sind die gleichen Hintergründe. 

Gleichzeitig sind es diese Probleme, die man im Gegensatz zu einzelnen Personen nicht aus dem Stadion aussperren kann. Womit wir erkennen müssen, dass es sich um eine Fragestellung handelt, die weit über den Fußball hinausgeht. Hinzu kommt im Stadion das berühmte "Starksein in der Gruppe". Bricht einer durch den Zaun, folgen ihm viele. Schreit einer "Tod und Hass", schreien andere mit. In der Gruppe passiert einem ja nichts.

Eine überwiegende Mehrzahl der Platzstürmer hätte sich wohl nicht als erste aufs Feld zu laufen trauen, als Mitläufer waren sie sich aber nicht zu schade. Man möge mir den etwas weit gespannten Bogen nachsehen, aber: Hallo Heldenplatz 1938. Hallo nie korrigierte "Opferrolle". Hallo nie aufgearbeitete Täterrolle. Hallo mangelnde Aufklärung und Bildung. Hallo "wird scho passen". Hallo "is ja alles net so schlimm". Hallo "der will ja nur spielen". Hallo Herr Dritter Nationalratspräsident weil es halt der drittstärksten Partei zusteht. Hallo NS-Verharmlosung. Hallo "wos wor mei Leistung".

Hallo Österreich, du Land der Kavaliersdelikte und Gesetzesaushöhlungen; du Land der kleinen Gefälligkeiten unter Freunden und des Tolerierens von Regelverstößen. Kapierst du nicht langsam, dass du Biedermann im Haus der Brandstifter bist? (Sorry Blumenau für das Ausborgen des allzu treffenden Vergleiches).

Wenn HC Strache demnächst als stimmenstärkster Kandidat aus den Nationalratswahlen hervorgeht, wird der Schock ähnlich groß sein wie beim Derby. Und es werden genauso alle eh vorher gewusst haben. Es werden genausolche Reaktionen zu hören sein - Grundtenor: "Wir haben schon gewusst, dass da ein paar Wahnsinnige dabei sind, aber DAMIT hätten wir nie und nimmer gerechnet."

Die Politik hätte Zeit genug (gehabt), etwas zu tun - genauso wie Rapid, die Austria und alle anderen Vereine mit großen Fanblöcken. Alle begnügen sich aber mit dem Zusehen, weil es schwierig und hart ist, durchzugreifen; weil es Opfer verlangt, weil Populismus gemütlicher ist, schneller geht und mehr zählt als aktive Maßnahmen. Die würden zwar eventuell helfen, aber sie täten möglicherweise jemandem weh. Und in Österreich geht man dann doch lieber den einfacheren Weg oder jenen des schalen Kompromisses, der "österreichischen Lösung".

Es ist zum Kotzen.

Meine größte Hoffnung ist, dass sich das Land im Spiegel wenigstens erkannt hat, den der Fernseher da gestern aufgestellt hat. Dann hätte dieser Irrsinn wenigstens etwas bewirkt.

Montag, 9. Mai 2011

Das Volksfest und sein Schatten.

Das Popfest Wien ist zu Ende und hat in seiner zweiten Auflage vieles gezeigt und so manches - auch Vorurteile - bestätigt. Ein versuchtes erstes Resümee.

Wien wie es singt und lacht, wie es leibt und lebt: Das Popfest lässt einen eigentlich mit einem glücklichen Gesamteindruck nachhause gehen. Die Stadt hat eine (nun auch endlich deutlich sichtbar gemachte) Musikszene zu bieten, kann in großem, würdigen Rahmen äußerst beschwingt und friedlich miteinander feiern und bietet dafür sogar gutes Wetter. Nach zwei höchst erfolgreichen Ausgaben kann man das Fest als grundsätzlich gut angenommen einordnen. Der riesige Karlsplatz mitten in der Stadt ist ein würdiger, toller Rahmen. Soviel zur Oberfläche.

In meiner selbstgewählten Rolle als personifizierter Jammerlappen und Beschwerdeführer kann ich aber nicht daran vorbei, den Chor der Begeisterten ein wenig mit Kritik zu versetzen - trotzdem und vor allem weil ich das Popfest schon im Vorfeld als so wichtig und wertvoll beschrieben habe.

Zuallererst hat sich das Fest zu einem Volksfest ausgewachsen - mit all seinen Vor- und Nachteilen. Die schiere Menge an Besuchern verleitet zu Superlativen. Viele sind aber schon heuer wegen des "Happenings" da gewesen, weniger wegen der Musik oder einer konkreten Band - maximal ein Kollateralschaden. Das hat alles seinen Sinn, tut der Relevanz kaum einen Abbruch, zumal hauptsächlich in der klugen Kommunikationspolitik im Vorfeld des Festes die eigentlich (für die "Szene") wichtige Arbeit, die Bewusstseinsbildung in Sachen österreichischem Pop, passiert ist.

Die Besucherzahlen sind heuer noch einmal deutlich nach oben geschnellt, der Platz stößt so schon im zweiten Jahr der Veranstaltung an seine Kapazitätsgrenzen (das ist aber - noch - kein Problem). Die Gastronomie-Situation wurde deutlich verbessert, das Versprechen trotzdem keine Sauf- und Fressmeile einzurichten wurde dankbarerweise eingehalten, die Waage scheinbar gefunden.

Vom überwältigenden und überraschenden Erfolg des ersten Jahres beflügelt, hat man dabei wie in anderen Punkten auf Kritik aus dem Vorjahr reagiert - soweit man dazu imstande war. Denn Platz, Budget und Lage sind recht unumstössliche Faktoren in diesem Spiel - womit die Einleitung zur größten Posse des Festes geschrieben ist.

Samstagnachmittag wird bekannt, dass die Wiener Philharmoniker ein Konzert im gegenüberliegenden Musikverein spielen und auf DVD aufzeichnen. Die für ein Open Air-Konzert ohnehin schon recht leise dB-Grenze wurde daher per Bescheid noch einmal um 10db nach unten korrigiert (10dB-Schritte bedeuten eine gefühlte Verdopplung bzw Halbierung der Lautstärke, den Grenzwert am Messpunkt, 75, erreicht ein Gespräch unter Freunden in einem Park). Als Garnitur gab es offenbar gar eine Klagsdrohung gegen die veranstaltende Organisation karlsplatz.org - die sich eigentlich mit massiver Rückendeckung der Stadt um die Belebung des Karlsplatzes bemühen soll.

Passiert ist letztlich nichts, außer dass die Konzerte von Black Shampoo und Francis International Airport etwas gar leise für ein "Rockkonzert" gewesen sein mögen - die Auflage wurden bravestens eingehalten. Ein schaler Nachgeschmack bleibt jedoch, weil kaum ein Beispiel Österreich und Wien besser beschreibt als diese Geschichte. Man hatte sich veranstalterseitig redlich bemüht: Die Seebühne war deutlich höher als im letzten Jahr, man konnte die Acts nun wesentlich besser sehen - ein guter Zug. Die Tonsituation war durch die erhöhte Bühne einen Deut besser als im letzten Jahr, wenngleich alles andere als großartig. Eine Vollbeschallung des Platzes mitten in der Stadt zu verlangen, erschiene auch mir ein wenig zu dreist, andererseits möchte ich nicht unbedingt Original-Zitate von erfahrenen Ton- und Lichttechnikern der "großen" Bands wiedergeben, die hier involviert waren. Fassen wir sie einmal als "nicht besonders festivaltauglich" und "der Größe der Veranstaltung unwürdig" zusammen.

Die Aufregung der involvierten Bands rund um die Philharmoniker-Posse war vor allem durch eine Sorge begründet: Dass nämlich bei aller Bewusstseinsbildung und der damit geschaffenen Aufmerksamkeit und Erwartung darauf vergessen wird, diese auch zu nutzen bzw zu erfüllen. Und so Unrecht hatten sie damit nicht - wie sich schon bei Skeros Backingband am Eröffnungsabend, SK Invitational, zeigte: An sich ist das eine großartige Band, die zu erleben es sich lohnt. Am Donnerstag von mittendrin gesehen, war ich versucht sie für belanglos und fad zu halten (ich weiß es glücklicherweise besser). Gustav? Verehre ich heiß, klang aber abseits eines kleinen, elitären Kegels direkt vor der Bühne eher furchtbar.

Nun kenne ich die meisten dieser Acts ja schon, was aber ist mit jenen tausenden neugierig gewordenen, die das nicht tun und zum Entdecken herkamen? Das berühmt-berüchtigte Tratschen im Publikum ab Reihe 7: Eine Folge des matten Sounds oder eigentlich eh Desinteresse? Was tun die dann dort? Vielleicht waren sie ja die Käufer der schokoüberzogenen Früchte, die der geübte Karlsplatz-Homie-Verkäufer während der Konzerte durch die ersten Reihen (!) zu schieben versuchte.

Dass kleine Kinderkrankheiten im Veranstalten eines Musikgroßevents noch nicht vollständig auskuriert waren, nehme ich gerne zur Kenntnis, weil eine Lernkurve sichtbar und die Gesamtwirkung des Festivals auch heuer wieder so ungemein positiv war. Beim großen Punkt Sound, Bühne und der damit einhergehenden Relevanz des Popfests für die Künstler selbst aber muss sich nicht der Veranstalter, sondern vor allem die Stadt Wien fragen lassen, ob sie das mit 180.000 Euro geförderte Unterfangen Ernst meint.

Das Einladen internationaler Gäste, wie es Musikorganisationen (mica, AMAN) nicht zuletzt auch durch mein Zutun betreiben, karikieren das Bild vom großartigen Festival nämlich. Bei aller Begeisterung für Wien, die vitale Szene, das zahlreiche Publikum und die tollen Bands mischt sich da bei den Gästen zwischen den Zeilen durchaus auch lächelndes Bemitleiden und dezentes Kopfschütteln angesichts solcher "Problemchen" wie jenem mit den Philharmonikern ein. "That´s Vienna", wie ein Zuhörer die Geschichte einem solchen Gast gegenüber zusammenfasst.

Sollte der Stadt, die sich gerne mit dem Fest schmückt, das nicht zu denken geben? Wo sie doch fast zufällig und eigentlich trotz der scheinbar großen Summe recht billig zu einem Image-Volltreffer kommt und sich endlich originär gewachsener Stärken brüsten könnte? Und: Sollten nicht auch Häuser wie der Musikverein mit Freude am Popfest partizipieren? Oder müssen wir ewig das Wiener Derby "Hochkultur" gegen "Popkultur" austragen, um letztlich beidseitig zu verlieren?

Ich trage die Hoffnung in mir, dass man diese Kritik nicht in die falschen Kehlen bekommt. Ich werde nicht so schnell müde werden, diese Veranstaltung gut zu finden und ihre Absichten zu verteidigen. Das muss es mir auch erlauben, anzumerken, dass hier noch weitaus mehr drinnen steckt, als den allermeisten Menschen auf dem Platz in diesen vier Tagen bewusst geworden ist. Lang lebe das Popfest.

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Sonntag, 1. Mai 2011

Warum Kultur fördern?

Zur Abwechslung mal wieder im heimatlichen Burgenland zugegen, vergönnte ich mir gestern einen Ausflug in die vertraute Cselley Mühle in Oslip. Sie ist in den vergangenen zwanzig Jahren sowas wie die Quelle für den musikalischen Nährboden im Burgenland gewesen und auch für mich ein nicht unwesentlicher Teil der kulturellen Sozialisierung. Ende Mai feiert das Kulturhaus seinen 35. Geburtstag mit einigen der dort gediehenen Gewächse: Garish, Hörspielcrew, Tanz Baby (die Reihe wäre mit Ja, Panik; Charmant Rouge, Bo Candy und vielen weiteren Projekten aus den Häusern Pinzolits und Pronai ellenlang fortzusetzen) - und es ist angesichts zahlreicher Umstände ein kleines Wunder, dass es dieses Jubiläum zu feiern gibt.

Zur Eröffnung sprach der damalige Unterrichts- und Kulturminister Fred Sinowatz den legendären Satz: "Ich weiß nicht, was ich hier eröffne, aber ich eröffne es." Wie so oft wurde er unterschätzt und missverstanden - denn es war klar, dass die in diesem Satz innewohnende Frage erst langsam beantwortet werden konnte: Niemand konnte erahnen, was und wohin sich die von einem Kunstkeramiker und einem Maler übernommene Mühle tatsächlich entwickeln würde, Mühlen mahlen bekanntlich langsam. Geworden ist es jedenfalls ein legendärer Szenehort, eine vielseitig bespielte Bühne, ein idyllischer Schauplatz für Landhochzeiten, ein Platz für Traditionspflege mit Tamburizzen und ein Platz an dem manche der wichtigsten Platten der österreichischen Pop-Gegenwart entstanden sind.

Nun standen und stehen viele große und kleine Hindernisse im Weg einer durchgehend erfolgreichen Geschichte des Hauses, eng verbunden ist sie aber auf jeden Fall mit dem Thema Kulturförderung. Denn wie die meisten Kulturhäuser ist ein Überleben ohne Fördergelder fast nicht denkbar. Gleichzeitig ist das beständige Kürzen von Fördergeldern ein politisches Gängelspiel, dass Häuser wie diese in eine Qualitätsfalle lockt, die Marktwirtschaft heißt.

Es ist ein schmaler Grat, den andernorts stehende, üppig geförderte Betriebe entlang gehen müssen - und aber auch können: Sie können mit ihrer Programm- und Kommunikationspolitik die Entscheidung treffen, ob sie nach viel Publikum heischen oder sich mit herausforderndem, spannendem, qualitativ hochwertigen Programm langsam und langfristig eines erarbeiten - also kurz gefasst "Musikantenstadl oder Moderne Kunst" spielen. Viele gut und trotzdem bunt kuratierte Häuser (mir fallen die ARGE Kultur in Salzburg oder der Spielboden in Dornbirn ein) schaffen einen angenehmen Spagat mit ihren Fördermittel. Das donaufestival in Krems ist ein bewusst in den Boden gerammter Eckpfeiler mit ultraspitzem Programm, der ebenso wichtig ist.

Diese Wahl haben kleine, selbständige, nicht im Landeseigentum stehende und kaum geförderte Häuser oft nicht. Sie müssen sich der Marktwirtschaft zuwenden - und scheitern dabei oftmals grandios. Entweder das Programm verludert und versumpert in Richtung 1-Euro-Party und Großraumdisko, oder das Publikum bleibt aus - eine Wahl wie zwischen Pest und Cholera.

Was die grundsätzliche Frage der staatlichen Intervention stellt - was ist und was darf Kulturförderung? Warum maßt sich der Staat an, mit öffentlichen Geldern künstlich (sic!) etwas am Leben zu erhalten, das eh keinen interessiert?

Abgesehen davon, dass die Frage semesterweise Stoff hergeben würde, steht im Zentrum der Beantwortung: Es ist eine Frage der gesellschaftlichen Entwicklung. Weil die aktuelle Politik keinerlei Gestaltungswille und -fähigkeit zeigt, drückt sie sich auch geschickt davor, diese Frage überhaupt zu beantworten - und richtet damit nachhaltigen Schaden an.

Wohin sich die Jugend nämlich entwickelt, ist eine durchaus (in Maßen) steuerbare Sache. Und im Jahr 2011 bedeutet "Steuern" vornehmlich Gegensteuern. In der marktwirtschaftlich bestimmten Welt von heute schreit der gelernte Jugendliche gruppendynamisch nach Party, Unterhaltung und günstigen Getränken. Was die tatsächliche "Kultur" darstellt, wird im Jetzt vor allem von kollektiven Matura-Saufgelage-Reisen und Großraumdiskotheken bestimmt. Mit allen Begleiterscheinungen von Fernsehsendungen wie "Saturday Night Fever" bis Komasaufen - will man das wirklich? Das Volk dumm und besoffen halten? Damit es nicht merkt, welche Problemfelder (Integration, Arbeitslosigkeit...) rundum nicht gelöst werden können?

Eine Alternative dazu anzubieten; Möglichkeiten zu zeigen, aus dieser elenden Gruppendynamik auszubrechen; Anreize für kritische Auseinandersetzung zu bieten; gesellschaftlichen und kulturellen Fortschritt zu erarbeiten - all das kann Kulturförderung befeuern. Findet sie deshalb und bewusst nicht wirklich statt? Und sägt die Gesellschaft damit nicht an ihrem eigenen Ast?

Fest steht, dass wir uns längst in einem Teufelskreis befinden: Je länger die Biotope, an denen noch etwas "passiert", ausgetrocknet werden, desto schneller wird das Interesse daran abnehmen (müssen) - welches dann wieder zum Anlass genommen wird, um noch geringere Förderungen zu rechtfertigen. In der Kulturpolitik zu sparen, mag der politischen Kaste kurzfristig leicht und clever erscheinen. Der langfristige und tiefgreifende Schaden, der damit angerichtet wird, ist umso schlimmer.

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